Ein Test gibt mir den Rest

Ein launisches Buch: Morenga von Uwe Timm – angefüllt mit zeitlosen Wahrheiten, insofern man(n) bereit ist, einige Textstellen auch in anderem, vom eigentlichen Inhalt befreitem Kontext zu deuten (ein Verfahren, das allgemein mit „aus dem Zusammenhang gerissen“ verunglimpft wird).

Ein wahlloses Beispiel: auf Seite 197 findet sich eine Textstelle, bei welcher zwei Händler, Küppers und Morris, den Handel mit den Hottentotten planen:

Die Leute müssten erst auf den Geschmack gebracht werden. Gebrauchsgegenstände seien gut, aber es komme nicht allein darauf an, den Sinn für Brauchbarkeit zu wecken, sondern auch für Schönheit. Wer allein brauchbare Dinge zu schätzen lerne, bei dem bestehe immer die Gefahr, dass er genügsam, ja asketisch werde…

Für die Fotopraxis hat dies folgende Bewandtnis::

Lesen Sie Equipmenttests in Fotozeitschriften? Das sollten Sie nicht, glauben Sie mir, das kommt nicht gut.

Worum geht es bei Tests?

Equipmenttests haben was verfängliches, sie sind objektiv – ein Mangel, welcher nicht selten ins Gegenteil verdreht wird. Damit kriegt man sie hin, sie werden später selbst glauben was drin steht, schlimmer noch, das gelesene sogar selbst weitergeben, wiederholen, wahr machen, in Foren z.B.
Objektivität ist ein Killerargument, dagegen ist schwer anzukommen, Messwerte schaffen Fakten. Gesetzt der Fall, zwei Optiken unterscheiden sich, die eine ist schärfer als die andere, was will man dagegen argumentieren? Man akzeptiert und kauft sich das bessere Produkt.
Aber: Wollten Sie das Produkt überhaupt? Sind Sie nicht eher zufällig über den Test gestolpert, waren zu neugierig und haben ihn gelesen, dabei die Schokoseiten des Produkts in allgemeinen Worten erfahren, darüber jedoch vergessen, dass Sie persönlich Schokolade nicht wirklich mögen. Und jetzt, in ruhiger Stunde – vom Tester ist weit und breit nichts zu sehen – sitzen Sie mit dem Sahnestück in trauter Zweisamkeit und haben sich nichts zu sagen. Platonisch ist diese Liebe nicht, aber immerhin besteht die Gelegenheit zu fummeln, wenn auch lustlos.