Einfacher fotografieren …

Die Ferien sind wieder einmal vorüber, die fotografischen Resultate wollen gesichtet werden. Ich hatte es mir dieses Jahr einfach gemacht mit dem Fotografieren und die mitgeschleppte Fotoausrüstung gegenüber den vorangehenden Jahren (nochmals) stark reduziert: 1 Kamera, 2 Objektive mit fester Brennweite und diesmal kein Stativ.
105mm und 24mm kamen mit, die 105mm als Makroobjektiv mit VR, die 24mm als etwas lichtstärkere Version mit Offenblende 1,4. Das ganze geht prima in einen kleinen Rucksack und kann daher praktisch immer dabei sein. Mit diesen beiden Brennweiten lässt sich ein grosser Motivbereich gut abdecken (vorausgesetzt man kommt an die Sache heran und muss fotografisch keine Distanzen überbrücken), VR und Lichtstärke ermöglichen, auch aus der Hand zu fotografieren wenn zwischendurch nicht Eitel Sonnenschein die Szene beleuchtet.

Zwei Bilder, welche ich mit einem durchschnittlichen Reise-Zoomobjektiv wohl nicht gemacht hätte:

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Zuhause blieb diesmal das 50mm-Objektiv, zu meinem Erstaunen kann man auch ohne diese Linse auskommen.

Gruss
Andreas

Was bedeutet eigentlich technischer Fortschritt?

Vermutlich versteht jeder etwas anderes darunter – aber man ist sich wohl einig, dass technischer Fortschritt immer mehr ermöglicht und Produkte besser werden lässt.

Doch besser in welcher Beziehung? Einfacher zu bedienen oder mit weniger Fehlern behaftet, so stellen wir uns das vor.

Bei der Optikentwicklung erlauben Computer das Rechnen von Lichtstrahlen durch eine hohe Anzahl Linsen (Raytracing), – derart können (oder könnten) höchstwertige Objektive gerechnet werden, welche früher aufgrund des nicht verfügbaren Rechenpowers kaum denkbar waren.
Die Sache geht aber auch anders. Es können auch Designs gerechnet werden, welche tendenziel wenig empfindlich auf Montagetoleranzen reagieren, dadurch werden sie zwar nicht besser, sind aber billiger herzustellen, mit weniger qualifiziertem Personal.

Vor ein paar Jahren hatte ich ein 28-70mm/2,8 Zoomobjektiv einer sogenannten Fremdmarke. Es war sicher nicht schlecht für seinen Preis, aber es hatte furchtbare Verzeichnung – geometrische Strukturen waren nur über die Diagonale zu fotografieren, vermutlich kam ich derart zu meinem schrägen Stil und wurde gleichzeitig ein Festbrennweitenfan.

Was mich erstaunt hatte war die Leistung eines uralten Zoomobjektivs. Es war eines der ersten überhaupt erhältlichen Weitwinkelzooms und es hatte erstaunlicherweise praktisch keine Verzeichnung, unabhängig von der Brennweite. Dafür war dieses Objektiv erst ab f8 oder f11 richtig scharf und dies wohl nie bis ganz in die äussersten Ecken. Im Prospekt des Herstellers aus dieser Zeit wurde interessanterweise genau das Gegenteil erzählt, es wurde darauf hingewiesen, dass bei dieser Optik infolge der variablen Brennweite leider mit erhöhter Verzeichnung zu leben sei.

Im Laufe der Zeit wurden vermutlich die Prioritäten anders gesetzt, ein Teil der geringen Verzeichnung wurde geopfert zugunsten der Schärfe – das ist verständlich im Hinblick darauf, das Zoomobjektive gerne aus der Hand Verwendung finden und deshalb nicht in jeder Situation beliebig abblendbar sind. Fotografie findet jetzt kaum noch ab Stativ statt, wurde dadurch in vielen Situationen aber auch einfacher.

Die erste Frage die sich daraus ergibt: Welche Verzeichnug ist noch zulässig? Mein Eindruck ist, dass diese Grenze immer weiter hinausgeschoben wurde – scheinbar ist ein Aufschrei ausgeblieben, respekive viele Fotografen haben sich zurückgeflüchtet zu Festbrennweiten und den anderen wird weiterhin zunehmend mehr zugemutet. Das Zentrum wird forciert, auf Kosten der Ränder. Verzeichnung wird eh schon längst am Computer korrigiert und auch Vignettierung oder Farbsäume lassen sich locker am Computer wegrechnen. Derart hat sich vieles von der Optik auf den Computer verlagert.

Die zuvor gestellte Frage “in welcher Beziehung” bleibt aber noch offen. Ist das Ganze einfacher geworden? Die Tätigkeit der Fotografie hat eine neue Ecke hinzugewonnen, der Systemgedanke ist nicht mehr Kamera und Optik, sondern das ganze Equipment und Software. Die Problemlosigkeit des korrigieren könnens bezahlen wir mit dem Aufwand, dies dann eben auch machen zu müssen.

Gruss
Andreas

Ein Test gibt mir den Rest

Ein launisches Buch: Morenga von Uwe Timm – angefüllt mit zeitlosen Wahrheiten, insofern man(n) bereit ist, einige Textstellen auch in anderem, vom eigentlichen Inhalt befreitem Kontext zu deuten (ein Verfahren, das allgemein mit „aus dem Zusammenhang gerissen“ verunglimpft wird).

Ein wahlloses Beispiel: auf Seite 197 findet sich eine Textstelle, bei welcher zwei Händler, Küppers und Morris, den Handel mit den Hottentotten planen:

Die Leute müssten erst auf den Geschmack gebracht werden. Gebrauchsgegenstände seien gut, aber es komme nicht allein darauf an, den Sinn für Brauchbarkeit zu wecken, sondern auch für Schönheit. Wer allein brauchbare Dinge zu schätzen lerne, bei dem bestehe immer die Gefahr, dass er genügsam, ja asketisch werde…

Für die Fotopraxis hat dies folgende Bewandtnis::

Lesen Sie Equipmenttests in Fotozeitschriften? Das sollten Sie nicht, glauben Sie mir, das kommt nicht gut.

Worum geht es bei Tests?

Equipmenttests haben was verfängliches, sie sind objektiv – ein Mangel, welcher nicht selten ins Gegenteil verdreht wird. Damit kriegt man sie hin, sie werden später selbst glauben was drin steht, schlimmer noch, das gelesene sogar selbst weitergeben, wiederholen, wahr machen, in Foren z.B.
Objektivität ist ein Killerargument, dagegen ist schwer anzukommen, Messwerte schaffen Fakten. Gesetzt der Fall, zwei Optiken unterscheiden sich, die eine ist schärfer als die andere, was will man dagegen argumentieren? Man akzeptiert und kauft sich das bessere Produkt.
Aber: Wollten Sie das Produkt überhaupt? Sind Sie nicht eher zufällig über den Test gestolpert, waren zu neugierig und haben ihn gelesen, dabei die Schokoseiten des Produkts in allgemeinen Worten erfahren, darüber jedoch vergessen, dass Sie persönlich Schokolade nicht wirklich mögen. Und jetzt, in ruhiger Stunde – vom Tester ist weit und breit nichts zu sehen – sitzen Sie mit dem Sahnestück in trauter Zweisamkeit und haben sich nichts zu sagen. Platonisch ist diese Liebe nicht, aber immerhin besteht die Gelegenheit zu fummeln, wenn auch lustlos.