Technik und Kreativität

Eine spezielle Untermenge der Gesamtheit schlechter Bilder sind die inspirierten Aufnahmen, welche ein Opfer ungenügender oder fehlerhafter Ausarbeitung wurden. Spricht man die Fotografen auf diesen Umstand an, so kriegt man gelegentlich ein Zitat von Andreas Feiniger als Antwort:

Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmässig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht. (Andreas Feininger, Feiningers grosse Fotolehre, 1979)

Da werden zwei Optionen suggeriert, perfekt langweilig und schludrig interessant, wo überhaupt nichts zu wählen ist. Man darf sich glücklich schätzen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Andreas Feiniger gegenüber zu stehen, Feiniger war nämlich durchaus ein Perfektionist.

Technik ist eine reine Fleisssache – sie besteht, man kann sie lernen, sie ist unmittelbar erfahrbar und sie erfordert keine speziellen Fähigkeiten. „Technisch“ gesehen ist jeder imstande zu fotografieren.
Und das Beste: es gibt nicht im eigentlichen Sinne eine richtige Lösung – allerdings durchaus einige falsche.

Im meinen Augen ist es gerade diese Verbindung von Kreativität und Technik, welche die Fotografie als Beschäftigung reizvoll werden lässt. Interessanterweise haben diese zwei Teile auch das Potential sich zu verselbstständigen, man konzentriert sich auf einen Aspekt und vernachlässigt den anderen.

Gruss
Andreas