Back to the roots …

Wellenartig ergeben sich immer wieder Diskussionen zu Kameras – sei es weil man selbst eine neue Kamera möchte und sich entsprechend orientiert, sei es weil neue Kameras vorgestellt werden und neue Möglichkeiten propagiert werden.

“Back to the roots” scheint bei diesen Diskussionen ein wichtiger Aspekt geworden zu sein, allerdings weiss niemand so genau was darunter zu verstehen ist. Es ist wohl mehr ein Gefühl, irgendwas in der Form von Fotografie sei technisch anspruchsvoller geworden. Continue reading

Einfacher fotografieren …

Die Ferien sind wieder einmal vorüber, die fotografischen Resultate wollen gesichtet werden. Ich hatte es mir dieses Jahr einfach gemacht mit dem Fotografieren und die mitgeschleppte Fotoausrüstung gegenüber den vorangehenden Jahren (nochmals) stark reduziert: 1 Kamera, 2 Objektive mit fester Brennweite und diesmal kein Stativ.
105mm und 24mm kamen mit, die 105mm als Makroobjektiv mit VR, die 24mm als etwas lichtstärkere Version mit Offenblende 1,4. Das ganze geht prima in einen kleinen Rucksack und kann daher praktisch immer dabei sein. Mit diesen beiden Brennweiten lässt sich ein grosser Motivbereich gut abdecken (vorausgesetzt man kommt an die Sache heran und muss fotografisch keine Distanzen überbrücken), VR und Lichtstärke ermöglichen, auch aus der Hand zu fotografieren wenn zwischendurch nicht Eitel Sonnenschein die Szene beleuchtet.

Zwei Bilder, welche ich mit einem durchschnittlichen Reise-Zoomobjektiv wohl nicht gemacht hätte:

1210142

1210141

Zuhause blieb diesmal das 50mm-Objektiv, zu meinem Erstaunen kann man auch ohne diese Linse auskommen.

Gruss
Andreas

Hammerforum

Gesetzt der Fall, sie hätten einen neuen Hammer gekauft, jetzt bräuchten sie noch Nägel, würden aber feststellen, dass es unterschiedliche Nägel gibt. Wäre es da nicht naheliegend im Internet danach zu fragen?

Daraus könnte sich ein Tread wie der folgende entwickeln: Hammerforum.com.

Ok, ist natürlich alles masslos übertrieben, nie würde sowas wirklich geschehen …

Gruss
Andreas

Was bedeutet eigentlich technischer Fortschritt?

Vermutlich versteht jeder etwas anderes darunter – aber man ist sich wohl einig, dass technischer Fortschritt immer mehr ermöglicht und Produkte besser werden lässt.

Doch besser in welcher Beziehung? Einfacher zu bedienen oder mit weniger Fehlern behaftet, so stellen wir uns das vor.

Bei der Optikentwicklung erlauben Computer das Rechnen von Lichtstrahlen durch eine hohe Anzahl Linsen (Raytracing), – derart können (oder könnten) höchstwertige Objektive gerechnet werden, welche früher aufgrund des nicht verfügbaren Rechenpowers kaum denkbar waren.
Die Sache geht aber auch anders. Es können auch Designs gerechnet werden, welche tendenziel wenig empfindlich auf Montagetoleranzen reagieren, dadurch werden sie zwar nicht besser, sind aber billiger herzustellen, mit weniger qualifiziertem Personal.

Vor ein paar Jahren hatte ich ein 28-70mm/2,8 Zoomobjektiv einer sogenannten Fremdmarke. Es war sicher nicht schlecht für seinen Preis, aber es hatte furchtbare Verzeichnung – geometrische Strukturen waren nur über die Diagonale zu fotografieren, vermutlich kam ich derart zu meinem schrägen Stil und wurde gleichzeitig ein Festbrennweitenfan.

Was mich erstaunt hatte war die Leistung eines uralten Zoomobjektivs. Es war eines der ersten überhaupt erhältlichen Weitwinkelzooms und es hatte erstaunlicherweise praktisch keine Verzeichnung, unabhängig von der Brennweite. Dafür war dieses Objektiv erst ab f8 oder f11 richtig scharf und dies wohl nie bis ganz in die äussersten Ecken. Im Prospekt des Herstellers aus dieser Zeit wurde interessanterweise genau das Gegenteil erzählt, es wurde darauf hingewiesen, dass bei dieser Optik infolge der variablen Brennweite leider mit erhöhter Verzeichnung zu leben sei.

Im Laufe der Zeit wurden vermutlich die Prioritäten anders gesetzt, ein Teil der geringen Verzeichnung wurde geopfert zugunsten der Schärfe – das ist verständlich im Hinblick darauf, das Zoomobjektive gerne aus der Hand Verwendung finden und deshalb nicht in jeder Situation beliebig abblendbar sind. Fotografie findet jetzt kaum noch ab Stativ statt, wurde dadurch in vielen Situationen aber auch einfacher.

Die erste Frage die sich daraus ergibt: Welche Verzeichnug ist noch zulässig? Mein Eindruck ist, dass diese Grenze immer weiter hinausgeschoben wurde – scheinbar ist ein Aufschrei ausgeblieben, respekive viele Fotografen haben sich zurückgeflüchtet zu Festbrennweiten und den anderen wird weiterhin zunehmend mehr zugemutet. Das Zentrum wird forciert, auf Kosten der Ränder. Verzeichnung wird eh schon längst am Computer korrigiert und auch Vignettierung oder Farbsäume lassen sich locker am Computer wegrechnen. Derart hat sich vieles von der Optik auf den Computer verlagert.

Die zuvor gestellte Frage “in welcher Beziehung” bleibt aber noch offen. Ist das Ganze einfacher geworden? Die Tätigkeit der Fotografie hat eine neue Ecke hinzugewonnen, der Systemgedanke ist nicht mehr Kamera und Optik, sondern das ganze Equipment und Software. Die Problemlosigkeit des korrigieren könnens bezahlen wir mit dem Aufwand, dies dann eben auch machen zu müssen.

Gruss
Andreas

Technik und Kreativität

Eine spezielle Untermenge der Gesamtheit schlechter Bilder sind die inspirierten Aufnahmen, welche ein Opfer ungenügender oder fehlerhafter Ausarbeitung wurden. Spricht man die Fotografen auf diesen Umstand an, so kriegt man gelegentlich ein Zitat von Andreas Feiniger als Antwort:

Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmässig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht. (Andreas Feininger, Feiningers grosse Fotolehre, 1979)

Da werden zwei Optionen suggeriert, perfekt langweilig und schludrig interessant, wo überhaupt nichts zu wählen ist. Man darf sich glücklich schätzen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Andreas Feiniger gegenüber zu stehen, Feiniger war nämlich durchaus ein Perfektionist.

Technik ist eine reine Fleisssache – sie besteht, man kann sie lernen,  sie ist unmittelbar erfahrbar und sie erfordert keine speziellen Fähigkeiten. “Technisch” gesehen ist jeder imstande zu fotografieren.
Und das Beste: es gibt nicht im eigentlichen Sinne eine richtige Lösung – allerdings durchaus einige falsche.

Im meinen Augen ist es gerade diese Verbindung von Kreativität und Technik, welche die Fotografie als Beschäftigung reizvoll werden lässt. Interessanterweise haben diese zwei Teile auch das Potential sich zu verselbstständigen, man konzentriert sich auf einen Aspekt und vernachlässigt den anderen.

Gruss
Andreas

Entschleunigen

Aus dem Gästebuch:

Kleiner Nachschlag meinerseits was das Technische betrifft. Du hast in einem Beitrag geschrieben das falls man einmal in einer Schaffenskrise steckt – dem Drang zur Neuanschaffung einer anderen Kameraausrüstung unbedingt abzuraten ist. Das kann ich so nicht unterschreiben.
Nun – jetzt im etwas “gereifteren” Alter, da ich die Phase der “technischen” Faszination schon überwunden habe darf ich wohl diese Weisheit weitertragen. Eine Veränderung zb. durch Formatwechsel bringt auch eine Umstellung der Arbeitsweise mit sich. Gerade im “digitalen” Zeitalter kann eine “Entschleunigung” durch weitaus aufwändigere Fotografie im Mittel.- oder Großformat wahre Wunder bewirken. Man fängt plötzlich an viel bewußter über Licht, Komposition und Schärfe nachzudenken wenn einem die Werkzeugpalette des “Photoshop” nicht mehr zu Verfügung steht. Und – nach Jahren der Digitalen Fotografie bedingt durch berufliche Zwänge fühlt sich eine analoge 30 Jahre alte Hasselblad bestückt mit einem Schwarz-Weiß-Film irgendwie unglaublich sexy an.

Entschleunigung, da ist es wieder dieses eigenartig neue Wort, diese Zusammenfassung von Sehnsüchten.

Vorserst möchte ich vorausschicken, dem Eintrag im Gästebuch kann ich folgen, fast würde ich sagen, ich seh es ähnlich.

Beginnen möchte ich jedoch beim Konsum, ein zwar schon etwas betagterer Begriff, welcher ein neues Leben begann, indem Shoping zu Livestyle umdefiniert wurde.
In oben erwähntem Beitrag geht es schlussendlich auch um Shoping – die Idee etwas zu kaufen um ein unangenehmes Gefühl loszuwerden – Sinnsuche durch Geldausgabe.
Wir sprechen von Konsum wenn wir etwas kaufen, z.B. eine neue Kamera, langbrennweitige lichtstarke Objektive, eine Blitzanlage oder ein wackliges Stativ. Aus Konsum wird konsumieren und damit eine Tätigkeit, aber eigentlich haben wir nur Geld ausgegeben. Ist dies der Konsum? Besteht Konsum im eigentlichen Sinne nicht eher im Aufbrauchen von Gegenständen? In dem Sinne: Schuhe werden durch laufen konsumiert. Sind die Sohlen abgetragen und die Schuhe dadurch zum Laufen untauglich, dann haben wir sie konsumiert. Durch den Kauf wird also höchstens unser Geld konsumiert, was soweit allerdings noch keine überragende Leistung darstellt und entsprechend wenig Begeisterung auslösen sollte.

Indem wir uns aber fortan mit der erworbenen Fotoausrüstung beschäftigen beginnt der Konsum in obigem Sinne erst und was beginnt dauert bekanntlich. Konsum benötig also Zeit.
Könnte es sein, das dieses “Zeit benötigen” mit der öminösen Entschleunigung etwas zu tun hat. Aus Amateursicht ist “sich damit beschäftigen” wohl der zentrale Inhalt der Geschichte – und wohl auch der Kern des oben erwähnten Gästebuch-Eintrages, wofür ich mich bedanken möchte.

Gruss
Andreas