Literatur: Positionen zur Kunst

Wenn man daran selbst nicht beteiligt ist sind Kunst-Diskussionen mitunter etwas vom unterhaltendsten. Weshalb die Protagonisten derart aneinander vorbeireden? Weil es sehr viele unhinterfragte Standpunkte gibt, was Kunst überhaupt sein soll. 16 davon werden in diesem Buch kurz skizziert:

Michael Hauskeller
Was ist Kunst, Positionen der Ästhetik von Platon bis Danto
Verlag C.H.Beck, ISBN 3-406-45999-4

Dazu noch ein Zitat aus einem Kommentar von „naggibenoit“ zu einem Post in Ahoi-Polloi:

Ist doch ganz einfach: Moderne Kunst ist eine Parodie auf echte Kunst, aus der Sicht von jemandem, der nicht verstanden hat, was Kunst ist.

Auch wenn dieses Zitat moderne Kunst nicht abschliessend zu erklären vermag, trifft es den Kern der Sache wohl ziemlich direkt.

Gruss
Andreas

Harald Mante

Wenn man sich mit Büchern zur fotografischen Gestaltung beschäftigt sollte ein Name nicht fehlen: Harald Mante.
Die gestalterischen Ideen des Bauhaus, namentlich von Johannes Itten und Wassily Kandinsky (und sicher auch noch anderen) wurden von Harald Mante in die Fotografie übertragen. Derart entstand eine Reihe von Fotobüchern, welche sich nicht mit den Themen Kamera, Blende und Dunkelkammer bechäftigten, sondern mit Farbkontrasten, Punkten, Linien und Bildeinteilungen.
Es ist eine spezielle Art über Bilder zu denken. Auch wenn es in letzter Zeit um Harald Mante etwas ruhiger geworden ist, er hat sicher mehr als eine Generation Fotografen äusserst nachhaltig beeinflusst, inklusive mir. Die Lektüre seiner Bücher kann ich wärmstens empfehlen.

Im Laufe der Zeit sind viele gute Bücher von Harald Mante erschienen, mit ähnlichem Inhalt zwar, zumeist ist eine Erweiterung oder eine Entwicklung in der Themenaufbereitung auszumachen.

   

Welches also?

Ich würde mich für dieses entscheiden, wenn es denn nur eines sein sollte:
Harald Mante, Das Foto
Verlag Fotografie, ISBN 3-933131-56-1

Harald Mante, Motive kreativ nutzen
Verlag Fotografie, ISBN 3-7231-0054-6
Ähnlich wie „das Foto“ – wäre eine Alternative dazu.

Harald Mante / Josef H. Neumann, Objektive kreativ nutzen
Verlag Fotografie, ISBN 3-7231-6400-5
Meiner Meinung nach nicht gerade „das Buch“ von Mante. Er hat viel zu sagen, es ist jedoch keine gute Idee, die Brennweite als fortschreitenden roten Faden zu nehmen, um seine Message daran auszurichten.

Gruss
Andreas

Zwei Bücher zum Thema Wahrnehmung

Zwei Bücher zum Thema Wahrnehmung:

Ernst A. Weber,
Sehen – Gestalten – Fotografieren
Birkhäuserverlag, ISBN 3-7643-2469-4

Wahrnehmungspsychologie, Gestalttheorie, Informationstheorie, Emotionsthese. Ein guter Ansatz um Fotografie zu erklären. Der Stoff wird kompakt und verständlich vermittelt, allerdings auch etwas oberflächlich. Eine Empfehlung um einen anderen Blick auf die Fotografie zu erhaschen. Das Buch ist vermutlich nur noch antiquitarisch zu kriegen.

Martin Schuster,
Wodurch Bilder wirken
Dumont Literatur und Kunst-Verlag, ISBN 3-8321-7236-X

Ein Buch, dass ich ihnen empfehle, wenn sie das Gefühl haben, Fotografie sei ein Teil von etwas grösserem. Das Buch stellt in erster Linie Fragen. Die Beantwortung muss oftmals Lücken lassen, Lücken auf hohem Niveau. Ich finde, alleine die Ansätze der Fragen sind es wert, dieses Buch zu lesen.

Gruss
Andreas

Ein paar Bücher für die Bildgestaltung

Ein paar Bücher zum Thema Gestaltung in der Fotografie …

Joe McNally,
Der entscheidende Moment, Ein Weltklasse-Fotograf packt aus
Addison-Wesley Verlag, ISBN: 978-3-8273-2693-8

McNally erläutert Anhand von Bild-Beispielen in kurzen Abschnitten, wie er zu seinen Bildern kommt. Seine Gedanken kreisen weitgehend um die Themen „Licht“ und „Was unternehme ich, um trotz widrigen Umständen das Bild machen zu können“. Technik? Ja kommt auch vor – in Form von „man nutzt sie“. Ein schönes Buch, manch ein Amateur dürfte damit unsanfte in der Realität landen – was für das künftige Schaffen ganz nützlich sein kann.

Art Wolfe und Martha Hill,
Natur Fotografie
Christian Verlag, ISBN 3-88472-277-8

Bilder und die Gedanken dazu aus der Sicht des Fotografen (Art Wolfe) und der Bildredakteurin (Martha Hill). Einige Kapitel als Beispiele: Das Herausarbeiten des Motivs – Die Kraft der Farbe – Die Bedeutung des Lichts. Empfehlenswert.

Rudolf Arnheim,
Die Macht der Mitte
Dumont Literatur und Kunst-Verlag, ISBN 3-7701-3712-4

Untertitel: Eine Kompositionslehre der bildenden Künste. Manchmal sucht man „mehr“ und findet in Fotografiebüchern nichts mehr. Dann sollte man ausweichen. Der Einstieg ins Buch ist etwas steinig, der Autor sicher kein begnadeter Unterhalter, die Sache ist es aber wert, auch wenn es nicht spezifisch um Fotografie geht.

Gruss
Andreas

Links und Literatur …

In letzter Zeit hatte ich die Website etwas aufgeräumt. Bisher weitgehend unangetastet blieb meine Litearurliste und das Linkverzeichnis, obwohl ich damit nicht wirklich glücklich war.

Gute Linkverzeichnisse sind Gold wert, aber leider ist diese Art von Gold korrosionsanfällig. Ungepflegte Linkverzeichnisse verkommen recht schnell zu Schrottsammlungen. Ähnlich verhält es sich mit Literaturlisten, welche nicht als Quellenangabe dienen. Was heute aktuell ist morgen leider keine Antiquität.

120816

Die Lösung liegt auf der Hand – das Zeugs gehört ins Blog. Mit dem Alter rutsch dann das Zeugs nach unten in die Irrelevanz, wer will kann es ausgraben, also genau wie es sein sollte.
Etwas ähnliches hatte ich eine Weile im Blog des foto-klub biel.

Ergo findet sich das statische Linkverzeichnis in der Webseite nicht mehr, an seine Stelle tritt ausschliesslich im Blog die Kategorie Linküberfluss. Für Literatur findet sich fortan die Kategorie Tote Bäume.
Weiterhin in den jeweiligen Webseiten finden sich gelegentlich ein paar Angaben zu Quellen, aber nur wenn sie sich aufdrängen.

Gruss
Andreas

Das sagt mir was!

Nachdem ich das Buch Das kann ich auch gelesen hatte und von dessen Lekture recht angetan war, lenkte dessen Nachfolgewerk Das sagt mir was! meine Aufmerksamkeit auf sich. Das Buch trägt den Untertitel Sprachführer Deutsch-Kunst Kunst-Deutsch. Das erste Buch war eine Empfehlung und das zweite deshalb schnell gekauft (und gelesen).

090813

Zu Beginn des Kapitels Basiswissen VI – So rede ich ein Wörtchen mit – Der Wichtigkeitsdiskurs – findet sich folgende Textstelle:

»Ich muss Ihnen nicht sagen, dass Arnold Gehlen als einer der ersten auf die Kommentarbedürftigkeit der modernen Kunst hingewiesen hat …« — Nein, das wäre wirklich nicht nötig gewesen, danke! Bemerkungen wie diese werden nicht gemacht, um gemeinsam der Kunst näher zu kommen, sondern vor allem, um die eigene Kompetenz zu demonstrieren.

Ist dies so? Keine grosse Ahnung von der Sache haben aber mitreden um anzugeben (oder etwas zu kompensieren), vermutlich mit dem Gefühl verbunden, dass auch das Gegenüber keinen grossen Tiefgang hat. In solchen Fällen ist mir Ratlosigkeit lieber.
Genau hier setzt das Buch an. In 5 Stationen wird die Szenerie durchschritten, die Vernissage, der Souveräne, zu Besuch im Atelier, im Museum und daheim beim Sammler. Bei all diesen Gelegenheiten (anzugeben) hilft das Buch die Sprechblasen bedeutungsvoll zu füllen, Kleidercodes einzuhalten, sprachliche Stolperfallen zu vermeiden und nebenbei das kalte Buffet abzuräumen. Zum Schluss gibts eine Lernkontrolle: Sprechen sie Kunst?.

Zurück bleibt nach der Lektüre das etwas befremdende Gefühl, das Sittengemälde einer gelangweilten, oberflächlichen, egozentrischen Gesellschaft gelesen zu haben. Das war wohl so nicht beabsichtigt.

Um Kunst geht es also nicht, das Buch ist tatsächlich nur ein Sprachführer, den Autoren kann kein Vorwurf gemacht werden. Ich hätte gewarnt sein sollen, sind doch seichte Sprachführer gerade gross in Mode (z.B. Frau-Deutsch und so Zeugs) – hier reiht sich das Buch gut ein, ich werde meiner Euphorie das nächste mal Zügel anlegen.

Trotzdem hat das Buch etwas gutes: Es enthält einen beachtlichen Fundus szenentypischer Aussagen sowie deren Übersetzung – diese lesen sich zuweilen wie Slapstick, ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass sie realen Begebenheiten entsprechen:

Pathos trifft auf Alltäglichkeit -> Ein monumentaler Müllhaufen
Eklektisches Ensemble -> Messie de luxe
Eine Hommage an … -> Einfallslose Nachahmung

Ich werde diese Worthülsen mal testen, mit dem Wortschatz dieses Buches lässt sich die Gefahr rechtlicher Schritte bei zukünftigen Bildbesprechungen doch stark reduzieren.

Fazit:
Das Vorgängerbuch Das kann ich auch!: Ja gerne.
Dieses Buch Das sagt mir was!: wers braucht.

Gruss
Andreas

Ein Test gibt mir den Rest

Ein launisches Buch: Morenga von Uwe Timm – angefüllt mit zeitlosen Wahrheiten, insofern man(n) bereit ist, einige Textstellen auch in anderem, vom eigentlichen Inhalt befreitem Kontext zu deuten (ein Verfahren, das allgemein mit „aus dem Zusammenhang gerissen“ verunglimpft wird).

Ein wahlloses Beispiel: auf Seite 197 findet sich eine Textstelle, bei welcher zwei Händler, Küppers und Morris, den Handel mit den Hottentotten planen:

Die Leute müssten erst auf den Geschmack gebracht werden. Gebrauchsgegenstände seien gut, aber es komme nicht allein darauf an, den Sinn für Brauchbarkeit zu wecken, sondern auch für Schönheit. Wer allein brauchbare Dinge zu schätzen lerne, bei dem bestehe immer die Gefahr, dass er genügsam, ja asketisch werde…

Für die Fotopraxis hat dies folgende Bewandtnis::

Lesen Sie Equipmenttests in Fotozeitschriften? Das sollten Sie nicht, glauben Sie mir, das kommt nicht gut.

Worum geht es bei Tests?

Equipmenttests haben was verfängliches, sie sind objektiv – ein Mangel, welcher nicht selten ins Gegenteil verdreht wird. Damit kriegt man sie hin, sie werden später selbst glauben was drin steht, schlimmer noch, das gelesene sogar selbst weitergeben, wiederholen, wahr machen, in Foren z.B.
Objektivität ist ein Killerargument, dagegen ist schwer anzukommen, Messwerte schaffen Fakten. Gesetzt der Fall, zwei Optiken unterscheiden sich, die eine ist schärfer als die andere, was will man dagegen argumentieren? Man akzeptiert und kauft sich das bessere Produkt.
Aber: Wollten Sie das Produkt überhaupt? Sind Sie nicht eher zufällig über den Test gestolpert, waren zu neugierig und haben ihn gelesen, dabei die Schokoseiten des Produkts in allgemeinen Worten erfahren, darüber jedoch vergessen, dass Sie persönlich Schokolade nicht wirklich mögen. Und jetzt, in ruhiger Stunde – vom Tester ist weit und breit nichts zu sehen – sitzen Sie mit dem Sahnestück in trauter Zweisamkeit und haben sich nichts zu sagen. Platonisch ist diese Liebe nicht, aber immerhin besteht die Gelegenheit zu fummeln, wenn auch lustlos.