Vom Umgang mit der Taschensonne

Mit Blitzgeräten verhält es sich ähnlich wie mit Stativen: Wir knüpfen daran die Erwartung, dass durch deren gekonnten Einsatz unsere Bilder besser werden, trotzdem lieben wir die Geräte nicht wirklich.

Mit ein bisschen raffiniertem Licht kann man aus jedem eine gewisse Schönheit machen! Aber genauso genügt ein blöder Blitz aus der falschen Richtung - und man ist gemein entstellt, mit Augenringen und Doppelkinn und richtig fiesen Falten.

Gabo, 1961, deutsche Fotografin

Die ersten Bilder, welche beim noch frontalen Einsatz von Blitzgeräten entstehen kennen wir alle: Dunkler Hintergrund und überblitzte Gesichter. Mit dem Wissen um ein paar wenige Grundlagen zur Blitzfotografie lässt sich diese Phase jedoch schnell übergehen und der Fotograf betritt zusehends ein Feld mit neuen Möglichkeiten zu guten Bildern zu kommen. Bei Neil van Niekerk liesst sich dies so:

As photographers we’re always looking for perfect light.
And yet, the quality of available light isn’t always ideal. It is rarely perfect.
[...]
Instead of waiting for perfect light, I use what I have …
and add flash to make the best of the situation.

Neil van Niekerk

Der Verzicht auf Blitzlicht kann also verglichen werden mit dem Verzicht auf ein Stativ: Man verzichtet freiwillig auf die vorteilhaften Möglichkeiten welche sich daraus ergeben. Im nachhinein wird man dies dann wohl puristisch nennen. Eine kleine Typologie der Fotografen, welche kein Blitzlicht verwenden:

Auf diesen Seiten

Aus vielerlei Gründen ist Blitz noch ein grösseres Mysterium als Licht, das man sehen kann. [...]. Man pfuscht damit herum, verflucht jeden unsicheren Schritt, [...] fummelt an den Knöpfen. Dann löst der Blitz aus Versehen aus und torkelt durchs Zimmer, kommt von der Decke zurück, springt in einen Spiegel, trifft ihr Motiv und - sieht fantastisch aus.

Joe Mc Nally, Hot Shoe Diaries, Seite viii

Auf diesen Seiten geht es nur um wenige elementare Grundlagen zu Systemblitzgeräten wie wir sie mit unseren Spiegelreflexkameras verwenden, gerichtet an all diejenigen hoffnungsvollen Fotografen, welche sich in obiger Typologie nicht wiederfinden und mit Blitzlicht die vorsichtige Hoffnung auf einen fotografischen Vorteil verbinden.

Systemblitzgeräte

Rechts: Kamera mit eingebautem Blitzgerät
Links: Externes Systemblitzgerät

Praktisch alle Hersteller von Spiegelreflexkameras bieten Modelle mit einem kleinen eingebauten Blitzgerät an. Dieses Kamerablitzgerät ist sicher oft sehr praktisch, in seinen Möglichkeiten ist es zumeist aber auch sehr beschränkt. Separate Systemblitzgeräte bieten gegenüber den eingebauten Blitzgeräten einige Vorteile:

Systemblitzgerät heissen die Dinger aber nicht nur weil sie zu einem Kamerasystem gehören, sondern auch, weil sie sich mit mancherlei Zubehör je nach Bedarf zu einem Blitzsystem ausbauen lassen. Dazu gehören nicht zuletzt auch die Möglichkeit der differenzierten Steuerung mehrerer Blitzgeräte in einem gemeinsamen Verbund zum Aufbau ganzer Beleuchtungssetups. Mit diesen Zutaten verwandelt sich ein Blitzgerät von der einfachen Ersatzlichtquelle für "Aufnahmen bei zu wenig Licht" zum vielseitig einsetzbaren Werkzeug für die kreative Gestaltung mit Licht.

Gestalten tun die Blitzgeräte allerdings nicht selbst, diese Aufgabe obliegt ihnen als Fotograf. Damit ihnen dies gelingt müssen sie imstande sein, das Blitzgerät zu bedienen. Die Erfahrung zeigt, dass angehende Fotografen des öftern zwar ihre Kamera bedienen können, das Einstellen von Blitzgeräten aber vergleichsweise Mühe macht. Es ist daher sicher keine schlechte Idee, die Anleitung des Blitzgerätes ebenfalls mit Interesse zu lesen, um dessen Funktionalität und deren Einstellung genügend gut kennen zu lernen.