Alternative Realität

Der Sucher ist das erste Element, welches sie an der Kamera für jedes neue Bild einsetzen. Mit ihm bereiten sie das Bild vor:

  • Sie bestimmen den Bildausschnitt und komponieren das Bild,
  • beurteilen die Schärfeverteilung und
  • kontrollieren die korrekte Fokussierung.

Der Sucher ist somit das für die Gestaltung wesentliche Element an der Kamera. Er ist das Werkzeug für ihre Kreativität, während alles andere hinten nach kommt und bloss noch dem technischen Entstehen des Bildes dient. Der Sucher ist am Entstehen des Bildes technisch nicht beteiligt, dafür gestalterisch um so wichtiger.

Eine Wunschliste an einen guten Sucher ist schnell aufgestellt:

  • Der Sucher soll den Bildausschnitt möglichst genau zeigen,
  • das Sucherbild möglichst gross,
  • übersichtlich,
  • feinkörnig und
  • hell darstellen.

Leider ist es mit dieser Sucherwunschliste ähnlich wie mit Wunschlisten von Kindern zu Weihnachten, werden die Wünsche gemässigt so steigt die Wahrscheinlichkeit der Erfüllung. Auch ein Sucher kann nie alle Wünsche gleichermassen erfüllen. Die weihnächtlich gestimmten Kamerabauer haben sich deshalb verschiedene Sucherprinzipien ausgedacht, aus welchen jeder Fotograf den Sucher nach seinem Gefallen auswählen darf. Das gewählte Sucherprinzip entscheidet dann,

  • auf welchem Weg der Fotograf sein Bild sieht, durch das Aufnahmeobjektiv oder via separater Optik,
  • ob das Sucherbild auf einer Mattscheibe projiziert erscheint oder ob es sich um ein Luftbild handelt
  • und auch über die Methode zur Kontrolle der Fokussierung (Scharfstellung).

Das Sucherprinzip bestimmt die Art, wie eine Kamera gebraucht wird, wofür sie sich eignet und gegebenenfalls eben auch wofür nicht. Um den Sucher herum baut sich die restliche Kamera auf, er entscheidet, welche Features an der Kamera Sinn machen und welche nicht. Persönlich halte ich den Sucher für eines der wesentlichsten Kriterien einer Kamera.
Ein paar Suchertypen (nicht vollständig) werden im folgenden beschrieben. Es sind dies:

Für diese verschiedenen Suchertypen sind jeweils nicht gleichermassen analoge und digitale Kameras verfügbar - resp. im Mittelformatbereich dürfte Digital für die allermeisten Amateure aus finanziellen Gründen nicht in Betracht kommen. Einige Sucher kriegt man somit nur bei analogen Kameras. Aus zwei Gründen erwähne ich diese trotzdem: Einerseits weil auch analoge Fotografie ihren Reiz hat, andererseits weil uns mit dem Aufkommen der Digitalkameras Fotogeräte mit himmeltraurigen Schlüssellochsuchern zugemutet wurden. Jetzt wird um jeden leicht besseren Sucher marketingmässig ein Riesenhipp gemacht, so als wäre dieser gerade neu erfunden worden. Es geht also auch darum, Massstäbe wieder zurechtzurücken, damit die Hersteller mit uns nicht beliebig Schindluderei treiben. Es ist an der Zeit, dass der weitere Fortschritt uns Tools beschert, wie sie im ausgehenden Zeitalter des Analogfotografierens schon mal State of the Art waren. Ansätze in dieser Richtung sind zu erkennen.

Einäugige Spiegelreflexkamera

Beim einäugigen Spiegelreflexsucher (SLR - Single Lens Reflex) wird das Bild durch das (Aufnahme-) Objektiv via Umlenkspiegel seitenverkehrt auf eine Mattscheibe projiziert. Diese liegt distanzmässig exakt in derselben Ebene, wie der Film resp. der digitale Sensor der verwendeten Kamera, so dass der Fotograf anhand des Mattscheibenbildes genau auf Schärfe und Ausschnitt des Bildes schliessen kann.

Über der Mattscheibe ist ein Pentaprisma (Spiegelkasten) angeordnet (zumindest bei digitalen Kameras und den meisten SLR-Kameras für Kleinbildfilm). Dieses dreht das Bild richtig und lenkt es zum Sucherokular. Dadurch sieht der Fotograf das Sucherbild durch das Okular aufrecht stehend und seitenrichtig auf der Rückseite der Mattscheibe. Dies ist der Suchertyp der schönen alten Spiegelreflexkamera wie auch ihr Vater eine hatte. Das massgebende bei diesem Sucher ist, dass der Vater Fotograf durch die Aufnahmeoptik schaut und somit exakt das Bild sieht, welches auch auf den Film oder den Sensor fallen wird. Daraus ergeben sich eine Reihe von Vorteilen:

  • Der Bildausschnitt im Sucher ist klar begrenzt und entspricht (ziemlich) genau dem Bereich, welcher bei der Aufnahme auch zum Bild werden wird. Dies erlaubt die sichere Wahl des Bildausschnittes.
  • Anhand des Bildes auf der Mattscheibe kann die Schärfe beurteilt werden d.h. man kann unmittelbar anhand des Sucherbildes scharfstellen.
  • Durch Abblenden der Optik kann die Verteilung und die Wirkung der Schärfentiefe beurteilt werden, dies unterstützt den Einsatz der Schärfentiefe als Gestaltungsmittel. Voraussetzung dafür ist, dass die Kamera eine Abblendtaste hat, was unverständlicherweise nicht immer der Fall ist.
  • Da das Sucherbild durch die Aufnahmeoptik entsteht, wird beim Einsatz von Teleobjektiven auch das Sucherbild mitvergrössert, dies im Gegensatz zum einfachen Durchsichtssucher, bei welchem nur ein kleiner Teil des Sichtfeldes dem Bild entspräche. Somit ergibt sich keinerlei Beschränkungen in Bezug auf die Brennweite.
  • Für Aufnahmen im Nahbereich ist wichtig, dass der Fotograf mit dem Sucher ebenfalls durch das Aufnahmeobjektiv schaut - Dadurch stimmt auch bei kurzen Distanzen zum Motiv Ausschnitt und Blickrichtung des Sucherbildes mit dem aufgenommenen Bild überein. Ansonsten würde sich bei Nahbereich zwischen Sucherbild und Aufnahme ein Versatz (die so genannte Parallaxe) ergeben.
  • Reflexe und Streulicht in der Optik werden sichtbar, der Fotograf hat die Möglichkeit entsprechend darauf zu reagieren.

All diese Vorteile machen eine Kamera mit SLR-Sucher für viele Fotografen zum Werkzeug ihrer Wahl. Allerdings hat dieser Sucher auch ein paar Nachteile auf seiner Seite:

  • Die Helligkeit des Sucherbildes ist abhängig von der Lichtstärke der Aufnahmeoptik.
  • Das Wegklappen des Spiegels erschüttert beim Auslösen die Kamera. Vor allem bei Verschlusszeiten von typischerweise ~1/30 bis ~1/4 Sekunde kann dies zu leicht unscharfen Bildern führen.
  • Durch das Wegklappen des Spiegels entsteht im Sucher eine Dunkelphase, das Sucherbild ist während der Belichtung somit nicht sichtbar.
  • Zwischen Objektiv und Film muss der (wegklappbare) Spiegel Platz finden. Die Objektive können deshalb nur bis zu einer begrenzten Distanz zum Film (so genannte Schnittweite) gebaut werden. Für Weitwinkelobjektive stellt dies ein grosser Nachteil dar.

Zum Zweck der Ausschnittbestimmung im einfachen Sinne von was ist im Bild drin und was ist draussen mag praktisch jeder Spiegelreflexsucher genügen. Um ein Bild jedoch zu komponieren, also bereits bei der Aufnahme gefühlsmässig die optimalen Proportionen, Verhältnisse und Gewichtungen innerhalb des Bildes zu bestimmen, ist ein grosser, heller Sucher von Vorteil.

Bei Suchern mit Mattscheiben hat das projizierte Sucherbild prinzipbedingt die gleiche Grösse wie das Film- resp. Sensorformat. Eine Mittelformatkamera hat also ein grosses Sucherbild und eine Digitalkamera mit APS-C Sensorgrösse leider nur ein vergleichsweise kleines. Dazwischen liegen die klassischen Spiegelreflexkameras für Kleinbildfilm. Mittels Optik kann dieses Sucherbild in der Grösse angepasst werden, allerdings nur auf Kosten der Helligkeit. Das Sucherbild wird bei Vergrösserung entsprechend dunkler.
Die meisten Sucher zeigen einen geringfügig kleineren Ausschnitt als das Bild, welches auf dem Film oder Sensor entstehen wird, meist beträgt die sichtbare Fläche 90% bis 95%. Für analoge Aufnahmen ist dies kaum ein Nachteil, da das Negativ vom Labor praktisch nie zu 100% vergrössert wird, und auch ein Diarahmen deckt einen kleinen Teil des Bildes ab.
Nur Kameras mit spezifischem Anspruch für Profis zeigen jeweils den exakten Filmausschnitt (so genannte 100% Sucher). Auch bei Digitalkameras wurde das leicht kleinere Sichtfeld beibehalten - immerhin erlaubt dies z.B. leicht schräge Horizonte nachträglich am Computer gerade zu rücken, ohne innerhalb des beabsichtigten Bildausschnittes unmittelbar weisse Ecken zu kriegen.

Das Sucherokular bietet die Möglichkeit zur Korrektur einer allfälligen Fehlsichtigkeit des Fotografen, so dass dieser das Sucherbild auch ohne Brille scharf sehen kann. Diese Korrektur geschieht normalerweise mit ins Okular einschraubbaren Linsen, bei neueren Suchern kann die passende Korrektur meist direkt am Sucher eingestellt werden.

Etwas, das Spiegelreflexkameras geradezu auszeichnet, ist die Möglichkeit, daran allerlei wechseln zu können. Nicht nur Film und Batterien, auch Objektive und Blitze, Hochformatgriffe und Rückwände. Bei einigen Kameras macht diese Möglichkeit selbst vor dem Sucher nicht halt, da können Mattscheiben und Sucherprismen gewechselt werden. Für solche Kameras hat sich der Begriff Systemkamera eingebürgert. Allgemein steigt mit zunehmender Anzahl austauschbarerer Teile der Spieltrieb das Ansehen des Fotografen.
Was kann einen Fotografen sonst noch dazu verführen, die Mattscheibe zu wechseln?

Auf Mattscheiben sind normalerweise jede Menge Informationen eingraviert: Autofokusmessfelder, Zentralkreise für die Belichtungsmessung und auch Gitterlinien. Was dem einen Fotografen eine Hilfe ist lenkt den anderen von der Bildgestaltung ab. Daher gibt es jeweils Mattscheiben mit oder ohne diesem oder jenem resp. auch solche ohne alles, so genannte Vollmattscheiben.

Für einige Autofokuskameras gibt es Mattscheiben spezifisch für manuelle Fokussierung. Anstelle der eingravierten Autofokusmessfelder weisen diese in der Mitte Einstellhilfen aus, meist einen Schnittbildkeil umgeben von einem Mikroprismenring.

Für Nahaufnahmen bei sehr hohem Abbildungsmassstab resp. für Astrofotografie existieren Klarglasscheiben. Diese zeigen ein Luftbild, sind dafür aber deutlich heller als jede Mattscheibe. Eine Fokussierung anhand dieses Bildes ist nicht direkt möglich. Für Makrofotografie gibts dafür Tricks, bei Astrofotografie wird am Objektiv die Distanz einfach auf unendlich gestellt.

Und dann ist ein Aspekt nicht zu vergessen: der technische Fortschritt. Mattscheiben vergangener Zeiten hatten die Tendenz, jeden spezifischen Vorteil mit einer Reihe von Nachteilen einzukaufen. War eine Mattscheibe hell, so war sie als Folge der auf der Rückseite der Mattscheibe eingeschliffenen Fresnellinse gleichzeitig strukturiert und erschwerte dadurch das Scharfstellen. Helle Mattscheiben neigen auch dazu, bei langen Brennweite nur das Zentrum hell zu zeigen. Deshalb gab es jeweils eine ganze Reihe feinkörniger dunkler resp. grobkörniger heller Mattscheiben für "normale" und "lange" Brennweiten. Der Fotograf konnte also auswählen, von welchem Teufel er geritten werden wollte.

Bei einigen (analogen) Kameras können die Sucherköpfe ausgetauscht werden. Dadurch lässt sich die Kamera praktisch jeder Aufgabe weitgehend anpassen.
Ohne Sucher blickt man von oben direkt auf das seitenverkehrte Mattscheibenbild. Diese Betrachtungsart eignet sich für Aufnahmen über dem Kopf oder in Bodennähe.

Nebst einem Standardsucher gibt es jeweils eine Reihe spezieller Sucher, z.B. solche mit stark vergrösserter Bildmitte zur exakten Scharfstellung (z.B. bei Makroaufnahmen) oder Sucher mit sehr grossem Einblick, bei welchem auch beim Tragen eines Helmes das Bild noch überblickbar ist (diese Sucher sind zum Teil ausserirdisch teuer).

Links: Ein Standardprismensucher.

Rechts: Ein Lichtschachtsucher macht das Sucherbild von oben einsehbar, dies ist praktisch bei tiefem Kamerastandpunkt. Ausser einer aufklappbaren Vergrösserungslupe zur einfacheren Scharfeinstellung enthält dieser Sucher keine Optik. Der Schacht dient dazu, Umgebungslicht von der Mattscheibe fern zu halten, damit das Sucherbild gut erkennbar bleibt.

Zweiäugige Spiegelreflexkamera

Bei der zweiäugigen Spiegelreflexkamera sieht der Fotograf das Sucherbild durch eine separate Sucheroptik. In nebenstehendem Beispiel ist dies die obere Optik, die untere Optik ist das Aufnahmeobjektiv. Beide Optiken haben gleich Brennweite und werden für die Fokussierung gemeinsam verstellt. Die korrekte Distanzeinstellung lässt sich auch bei diesem Suchertyp unmittelbar auf der Mattscheibe beurteilen.

Meistens haben diese Kameras Objektive der Normalbrennweite - nur ganz wenige Typen (z.B. Mamiya C220 und C330) weisen Wechselobjektive auf. Kameras mit diesem Suchertyp werden heute (2006) nicht mehr gebaut (mit einer Ausnahme) - sind aber Secondhand immer noch gut erhältlich.

Das Sucherbild sieht der Fotograf von oben seitenverkehrt. Weil das Sucherbild seitenverkehrt erscheint und der Fotograf zudem nach unten schaut, ergibt sich eine gute Unterscheidung zwischen realem Motiv und Bild. Das quadratisches Filmformat ist für solche Kameras praxisbedingt nahe liegend, mit einem rechteckigen Bildformat würde der Fotograf wegen der Einsicht von oben beim Drehen der Kamera vom Quer- zum Hochformat keinen sehr glücklichen Eindruck hinterlassen.

Persönlich halte ich das quadratische Bildformat aus gestalterischer Sicht für einen Glücksfall. In Verbindung mit dem grossen Sucherbild sind dies die technischen Zutaten für gutes Gelingen der Bildgestaltung.

Die Sucheroptik lässt sich nicht abblenden - eine Beurteilung der Schärfentiefe auf der Mattscheibe ist also nicht möglich. Ebenfalls ergibt sich im Nahbereich ein kleiner Parallaxenfehler, da die Sucheroptik gegenüber der Aufnahmeoptik leicht verschoben angeordnet ist.

Kameras mit diesem Suchertyp lassen sich gut aus der Hand verwenden. Der Kameragurt liegt über (nicht um) den Hals, die Kamera vor dem Bauch wird leicht nach unten gezogen, so dass der Gurt ganz leicht gespannt ist. Wegen den getrennten Optiken braucht der Spiegel beim Auslösen nicht hochzuklappen und erschüttert somit auch die Kamera nicht. Aus gleichem Grund bleibt beim Auslösen auch das Sucherbild bestehen, es entsteht keine Dunkelphase. Die Kamera liegt derart beim Auslösen sehr ruhig in der Hand.

Messsucherkamera

Der Fotograf schaut bei diesem Kameratyp durch ein separate Sucheroptik ohne Mattscheibe und sieht derart ein so genanntes Luftbild. Dieses Bild wird von vorne bis hinten als scharf empfunden, so wie wir auch normal sehen. Eine Fokussierung (Scharfeinstellung) ist aufgrund dieses Bildes so noch nicht möglich.

Zur Fokussierung wird bei Messsucherkameras ein Mischbildentfernungsmessers verwendet. Dazu existiert eine zweite Sucher-Optik, welche um eine bestimmte Distanz (die sogenannte Messbasis) von der Sucheroptik seitlich versetzt angeordnet ist. Deren Bild wird dem Bild der eigentlichen Sucheroptik auf einem halbdurchlässigen Spiegel überlagert. Da die beiden Sucherbilder aufgrund der Messbasis aus zwei leicht verschiedenen Richtungen gesehen werden, können sie nur in einer Distanz übereinstimmen. Die Mechanik der Sucheroptik ist zur Fokussierung mit dem Aufnahmeobjektiv derart gekoppelt, dass die exakte Übereinstimmung der Sucherbilder genau der fokussierten Distanz entspricht.

Messsucherkameras zeigen das Bild im Sucher (meist) in einer fixen Grösse, unabhängig von der Brennweite. Der im Sucher sichtbare Bereich ist deshalb meist grösser als der Bereich, welcher als Bild auf den Film fallen wird. Der eigentliche Bildbereich wird mittels Markierungen im Sucher eingegrenzt. Je nach fotografischer Anforderung kann dies zum Vor- oder Nachteil werden:

  • Ein Vorteil besteht darin, dass der Fotograf auch vom Umfeld ausserhalb des Bildes noch etwas sieht. In Gedanken lässt sich so das Geschehen vorwegnehmen und der Fotograf wird vom richtigen Moment nicht überrascht.
  • Ein weiterer Vorteil liegt im hellen Sucherbild. Sie schauen durch den Sucher auf die Szene und nicht in den Sucher auf die Mattscheibe. Dies macht einen Unterschied, vor allem bei knappem Licht (Available Light).
  • Der Nachteil ergibt sich bei Teleaufnahmen, bei welchen der eigentliche Bildbereich im Sucher (welcher immer gleiche Vergrösserung aufweist) auf ein sehr kleines Feld zusammenschrumpft. Bildkomposition und Fokussierung wird derart zu einer unsicheren Sache. Für Teleaufnahmen sind Messsucher somit eher ungeeignet, die praktische Grenze liegt heute bei etwa 135mm Brennweite (für Kleinbild). Das Messsucherprinzip spielt seine Stärke vor allem im Weitwinkelbereich aus.

Kritisch wird's im Nahbereich, sie schauen neben dem Objektiv vorbei (durch den Sucher) aus einer leicht anderen Richtung auf das Motiv. Dieser Fehler wird Parallaxe genannt, er wird umso grösser je näher am Motiv sie sind. Für Nahaufnahmen, insbesondere für Makroaufnahmen, sind Messsucherkameras deshalb nicht geeignet. Die Nahgrenze bei Messsucherkameras liegt oftmals bei etwa 0,7m.

Nicht von Vorteil ist, dass sie die bildmässige Wirkung der Schärfentiefe einschätzen müssen und nicht sehen können. Auch Reflexe und Streulicht im Objektiv zeigen sich erst auf dem Bild (resp. Negativ) und somit zu spät um noch etwas ändern zu können.
Erwähnenswert ist die Absenz des Rückschwingspiegels und somit auch der durch dessen Rückschwingen verursachten Erschütterungen und Auslöseverzögerung.

Gelegentlich wird aufgeführt, ein Vorteil der Messsucherkamera bestünde darin, dass auch Weitwinkeloptiken nahezu symmetrischen Aufbau hätten (weil die Optiken aufgrund der Absenz des Spiegels näher an die Filmebene herangebaut werden könnten) und deshalb besser seinen. Die stimmt so nicht ganz. Auch Weitwinkeloptiken für Messsucherkameras verwenden heute das Retrofokusprinzip, da symmetrisch aufgebaute Weitwinkeloptiken prinzipbedingt sehr hohe natürliche Vignettierung (Randabdunklung) aufweisen. Die Freiheiten für den Objektivkonstrukteur sind aber deutlich grösser, da die Schnittweite (Distanz Film-Objektiv) bei Bedarf kürzer ausfallen kann und die Weitwinkeldesigns bei Messsucherkameras entsprechend weniger gestresst sind.

Elektronischer Sucher

Dieses Sucherprinzip wird praktisch nur bei digitalen Kompaktkameras und Videokameras verwendet.

Das Hauptproblem bei Kameras mit Displays zur Bildanzeige ist die ungenügende Auflösung um die Schärfe beurteilen zu können. Einige Kameras haben bei manueller Scharfstellung eine sich automatisch zuschaltende Zoomfunktion. Diese halte ich nicht für geeignet, um den grundlegenden Mangel zu beseitigen. Selten wird die richtige Stelle automatisch aufgezoomt. Zudem geht in diesem Zustand auch der Bildüberblick verloren.

Diese Verfahren ist zulässig wenn vom Stativ aus fotografiert wird. Es soll hier aber auch erwähnt werden, dass aufgrund des zumeist kleinen Sensors solcher Kameras die Schärfentiefe recht hoch ist. Eine eindeutige manuelle Fokussierung ist derart zwar kaum möglich, aber wohl auch nicht notwendig.

Zur Verteidigung des Suchers: Ausser dem (sehr teuren) Mischbildsucher kommt für kleine (und kleinste) Bildsensoren kaum ein anderes Sucherprinzip in Frage.