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Wenn wir ein Motiv fotografieren wählen wir mit Bedacht eine
Schärfeebene. Motivteile, welche in dieser Ebene liegen erwarten wir als
im Bild scharf abgebildet.
Diese Tatsache der begrenzten Schärfe impliziert jedoch auch,
dass sich bei Motiven mit Tiefenausdehnung einzelne Bildbereiche vor oder hinter und damit ausserhalb des Schärfebereiches finden. Der optimal scharf abgebildete Bereich bildet im Motivraum eine Ebene. |
Solange die Unschärfe ausserhalb dieser exakten Schärfeebene ein gewisses Mass nicht überschreitet, werden wir gewillt sein, diesen Teil des Bildes ebenfalls als scharf zu anerkennen. Die Ebene weitet sich dadurch im Motiv zu einem Tiefenbereich aus, den wir als scharf abgebildet betrachten. Die Ausdehnung dieses Bereichs in die Tiefe wird Schärfentiefe genannt.
Auf dieser Seite:
Weitere Themen, welche die Tiefenschärfe betreffen werden auf folgenden separaten Seiten besprochen:
Untenstehend sind (einfache) Formeln zur Berechnung der Schärfentiefe angegeben. Deren "fotografischer Gehalt" wird weiter unten besprochen werden.
| Hyperfokaldistanz | h=f²/(n*e) |
|---|---|
| alles scharf von... | asv = h*d/(h+(d-f)) |
| ...bis | asb = h*d/(h-(d-f)) |
| Schärfentiefe | st = asb - asv |
dabei ist:
e = Zerstreukreis (in Meter)
f = Brennweite (in Meter)
d = Eingestellte Distanz (in Meter)
n = relative Öffnung der Blende (z.B. 5.6)
Schauen wir uns kurz die einzelnen Grössen an. Die Distanz ist gegeben durch
unser Motiv. Die Brennweite ergibt sich aus der Sensorgrösse und dem von uns
gewünschten Bildwinkel. Über die Blende können wir verfügen, wir erwarten, damit
die Ausdehnung der Schärfentiefe beeinflussen zu können. Was ist mit dem
Zerstreukreis?
Der Zerstreukreis
dient uns hier als Kriterium zur Unterscheidung von scharf
und unscharf, in dieser Diskussion kommt ihm somit eine zentrale Bedeutung zu.
Was ist ein Zerstreukreis?
Dazu müssen wir uns unser Motiv vorstellen als bestehend aus lauter kleinsten
Punkten, welche in ihrer Gesamtheit das ergeben, was wir als Motiv wahrnehmen.
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In der Abbildung wird jeder dieser Punkte zum Kreis, dessen Durchmesser umso grösser wird, je mehr er von der exakten Schärfeebene entfernt ist. Nur Punkte exakt in der Schärfeebene werden als ebensolche abgebildet. Dieser in der Bildebene (Sensor oder Film) als Kreis abgebildete Punkt wird Zerstreukreis genannt. |
Zur Unterscheidung zwischen scharf und unscharf wird ein maximal zulässiger
Durchmesser für den Zerstreukreis festgelegt, grösser abgebildete Punkte werden
fortan als unscharf betrachtet.
Die Wahl des maximal zulässigen Zerstreukreisdurchmessers wurde allgemein als 1/1500
der Bilddiagonale getroffen, was ungefähr unserer
Schärfeempfindung aus normaler Betrachtungsdistanz, bei welcher wir das ganze
Bild unangestrengt überblicken, entspricht. Für das Kleinbildformat entspricht
dies einem (gerundeten) Durchmessern von 1/30mm.
Durch die Festlegung des Schärfekriteriums in Bezug zur Bilddiagonale wird der Zerstreukreisdurchmesser
abhängig von der Sensorgrösse, wohl bemerkt, momentan sprechen wir noch von der
Abbildung des Objektivs, da liegt das Bild auf dem Sensor resp. Film und hat
dadurch zwangs- und logischerweise auch dessen Grösse. Zur Berechnung der
Schärfentiefe ist deshalb jeweils auch ein der Bildgrösse (z.B.
Mittelformat, Kleinbild, APS, Digitalchip) angepasster Zerstreukreisdurchmesser
zu verwenden.
Durch die "Vergrösserung" vom Bildformat der Kamera zum Papierabzug wächst dann
auch der Zerstreukreis gleichermassen mit, sein Grössenverhältnis im Bezug zur
Bilddiagonale wird somit bleiben - Umstände, unter welchen wir
dann die Ausdehnung der Schärfentiefe im fertigen Bild auch objektiv beurteilen können.
Bevor wir weiter diskutieren, wollen wir rechnen:
Weit verbreitet sind momentan 3 Chipgrössen. Um später den Vergleich
anzustellen, seien auch zwei Formate aus der analogen Filmwelt angefügt:
| Format | Abmessungen | Bilddiagonale |
|---|---|---|
| 1/1,8" | 9mm | |
| 2/3" | 11mm | |
| APS-Chip | 28.4mm | |
| Kleinbild | 24x36 mm² | 43.3mm |
| 6x6 Mittelformat | 56x56 mm² | 80mm |
Die untenstehende Tabelle bestimmt die Schärfentiefe für die verschiedenen
Bildformate. Bei den Optiken wurde identischer Bildwinkel (Normalbrennweite =
Bilddiagonale) und identische Lichtstärke (rel. Blendenöffnung) gewählt.
Ebenfalls identisch ist die eingestellte Distanz. Der Zerstreukreis wurde dem
Bildformat angepasst. Ich hab ihn so gewählt, dass er immer den identischen
Bruchteil der Bilddiagonale ausmacht, ausgehend von 1/30mm für das
Kleinbildformat.
Brennweite: identisch der Bilddiagonale, ergibt identische Bildwinkel
gewählte Blende: 5,6
Distanzeinstellung: 2,08m
| Bildformat | scharf von... |
...bis |
Schärfentiefe |
|---|---|---|---|
| Chip 1/1,8" | 1,040m | unendlich | unendlich |
| Chip 2/3" | 1,144m | 11,15m | 10,00m |
| Chip APS-C | 1,581m | 3,02m | 1,438m |
| Kleinbild | 1,722m | 2,610 | 0,888m |
| 6x6 | 1,837m | 2,327m | 0,454m |
Was ist geschehen? Die Kamera mit dem kleinen 1/1.8" Bildsensor bildet den
gesamten Bereich von gut 1m bis unendlich scharf ab, während die Kleinbildkamera
bei gleicher Blende gerade eine Schärfentiefe von nicht ganz einem Meter
erreicht. Die Aufnahme mit der Mittelformatkamera weist gar nur eine
Schärfentiefe von etwas weniger als einem halben Meter auf.
Kein Problem, werden sie sagen, Digitalkameras sind recht lichtstark. Wir wollen
auch nett sein und eine Kompaktkamera mit der grandiosen Lichtstärke 2.0 und den "grossen" 2/3"-Bildsensor
wählen (entspricht z.B. einer Sony F828).
Maximale Öffnung der Optik bei 11mm Brennweite (Normalbrennweite) ergibt jetzt eine
Schärfentiefe von 1,216m.
Erstaunlicherweise sind dies immer noch gute 50% mehr als bei der Kleinbildkamera bei Blende 5.6.
Um mit beiden Kameras auf identische Schärfentiefe zu kommen müsste die
Kleinbildkamera auf Blende 8 abgeblendet werden. Bei der digitalen Kompaktkamera
besteht leider keine Einstellreserve mehr, Blende 2.0 ist bereits die
Maximalöffnung.
Eine digitale Kompaktkamera mit 2/3"-Chip weist also bei Blende 2.0 die gleich hohe Schärfentiefe auf wie eine Kleinbildkamera bei Blende
8.0. Dazwischen liegen stolze 4 Blendenwerte. Schärfe in Überfluss, dafür
einen merklichen Mangel an Unschärfe. Notabene, dem Beispiel liegt die
Chipgrösse einer bereits gehobenen digitalen Kompaktkameraklasse zugrunde.
Das Beispiel hat allerdings auch einen kleinen Haken. Die Distanzeinstellung
ist derart gewählt, das sie beim 1/1.8"-Sensor gerade der hyperfokalen Distanz
entspricht. Die Hyperfokaldistanz ist die Entfernung, die bei der entsprechenden
Kombination von Brennweite und Blende die grösstmögliche Schärfentiefe ergibt. Diese erstreckt sich ab der Hälfte der
Hyperfokaldistanz bis zum Horizont - die Tiefenschärfe fällt in unserem Beispiel
genau so aus, hätten sie's bemerkt?
Die Hyperfokaldistanz wird bei kleinen Sensoren ebenfalls sehr klein und kriegt deshalb einen wesentlichen Einfluss auf die Fotografie. 2 Meter haben in
unserem Beispiel bei Blende 5,6 und Normalbrennweite bereits gereicht um das
Bild von vorne bis zum Horizont scharf zu kriegen.
Hier liegt der eigentliche Hauptgrund für die hohe Schärfentiefe kleiner
Bildformate verborgen. Wenn der Sensor 5 mal kleiner ist im Vergleich zu einem
anderen Format, so fällt für gleiche Verhältnisse alles entsprechend kleiner
aus, nicht nur Zerstreukreise und
Brennweite, sondern auch die Hyperfokaldistanz. Kleine Sensoren sind somit etwas für die kleine Welt.
Dass sie dies
durchaus wörtlich verstehen können zeigt sich oft eindrücklich an den Makrofähigkeiten
von Kompaktkameras mit kleinen Sensoren.
Die Sache hat auch etwas praktisches:
Bei Objektiven mit brauchbarer Schärfentiefenskala lässt sich die
Hyperfokaldistanz einstellen um bei Aufnahmen die Schärfe bis zum Horizont
optimal zu nutzen, wie dies geschieht können sie
hier lesen.
Wenn sie eine digitale Spiegelreflexkamera mit APS-C-Bildsensor verwenden, ergibt sich meines Erachtens
nach aus dem Umstand, dass die Schärfentiefe etwas grösser ausfällt als beim
Kleinbildformat kein Problem
zum Gestalten mit selektiver Schärfe. Selten war beim Kleinbildformat dafür
die maximale Offenblende notwendig. Weiterhin bedeutender für das Ergebnis ist
der Abbildungsmassstab
und die Distanzverhältnisse von Motiv und Hintergrund zur Kamera (Perspektive).
Die eine Blende Differenz betreffend der Schärfentiefe stört somit keinen grossen
Geist (frei nach
Karlsson vom Dach
).
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Der (geringe) Zuwachs an Schärfentiefe durch die Verwendung von Optiken mit kürzerer Brennweite dürfte im Gegenzug überall dort willkommen sein, wo geringste Schärfentiefe eher ein Problem als eine Lösung darstellt, z.B. bei Available-Light-Fotografie, bei der Makrofotografie und beim Einsatz von sehr langen Teleobjektiven bei Sportanlässen. |
Der Gestaltungsnotstand tritt dort ein wo mickrige Sensoren in digitale
Kompaktkameras verbaut wurden. Der Begriff Schärfentiefe
beschreibt dann eher ein Faktum als eine Gestaltungsmöglichkeit.
Wenn sie grosse Schärfentiefe anstreben, können sie sich darüber freuen.
Hingegen sind damit Bilder mit
geringer Schärfentiefe schwer möglich, betreffend Gestaltung sind sie damit nicht zu beneiden. Porträtfotografen
haben mit solchen Kameras einen schweren Stand, glücklicherweise machen die
meisten Fotografen keine Porträts.
Was lässt sich machen, wenn trotz Kleinstsensor mit selektierender Schärfe
gestalten werden soll? Versuchen sie folgendes:
Navigation: Home
-> Temp -> Schärfentiefe
Autor: Andreas Hurni
Letztes Update:
22.12.2008