Do the wrong thing

Ein Gedankenexperiment

Ich bin im Laufe der Zeit zum Schluss gekommen, dass ein Objektiv gar nicht so gut sein muss um gute Bilder zu ermöglichen.

Es kann durchaus sogar sinnvoll sein, zu Beginn mit einem günstigen Objektiv eine Weile zu fotografieren. Dies ist die Gelegenheit herauszufinden, welche Kriterien eines Objektivs besser sein müssten, ohne gleich von Beginn weg viel Geld auszugeben.

Das Bild nebenan entstand mit einem Lensbaby. Damit würde ich nicht anfangen wollen, ein wenig besser darf es schon sein.

Stellen sie sich also so ein revolutionäres 28-300mm Objektiv vor, alle Brennweiten in einem einzigen Objektiv. Ein solches Objektiv würde viele Eigenschaften aufweisen, die sie in Ruhe kennen lernen könnten:

  • Das Objektiv verzeichnet sehr stark,
  • das Objektiv ist lichtschwach,
  • der Autofokus ist wenig treffsicher,
  • Streulicht wird regelmässig zum Problem,
  • das Objektiv ist gross, schwer und auffällig,
  • und kaum resistent gegen schlechtes Wetter.

Dies sind an sich alles nicht optimale Eigenschaften, trotzdem wären sie damit imstande zu fotografieren, und dabei würden sie auch lernen, auf welche dieser Eigenschaften es bei ihrer Fotografie ankommt und auf welche nicht. Als Folge davon würden sie anschliessend genau wissen, was sie brauchten. Dies wären ein paar ihrer Feststellungen:

  • Bei Porträt und Landschaftsaufnahmen ist die Verzeichnung des Objektivs in den meisten Fällen nicht auszumachen.
  • Tagsüber stellt die geringe Lichtstärke kaum ein Hindernis dar und nachts können sie ab Stativ fotografieren.

Sie würden aber auch Negativpunkte erkennen und daraus Anforderungen ableiten:

  • Um mit wirklich geringer Schärfentiefe zu fotografieren braucht es eine um ein paar Blendenwerte grössere Lichtstärke.
  • Es kann von Vorteil sein, ein kleines, unauffälliges und leichtes Objektiv mitzuführen.
  • Eine geringe Nahgrenze ist durch nichts zu ersetzen.
  • Auch würden sie feststellen, dass verschiedene fotografische Situationen unterschiedliche Anforderungen an das Objektiv stellen und
  • dass sie bei weitem nicht alle Brennweiten benötigten.

Dieses Experiment wird von vielen Fotografen in der Realität durchgeführt - weil dies nicht immer bewusst geschieht kommt dann auch gelegentlich der Spass am Fotografieren abhanden. Jeder Fotograf macht sich Gedanken betreffend der Objektivauswahl. Idealerweise werden diese Gedanken vor dem Kauf eines Objektivs gemacht, danach darf das Thema weitgehend ruhen. Wichtig scheint mir dabei, dass man eine grobe Vorstellung betreffend der eigenen Anforderungen hat und ungefähr weiss, was von einem Objektiv erwartet werden darf.

Zoom oder Festbrennweiten

Der Optik-Konstrukteur versucht bei der Entwicklung eines Objektivs verschiedene Aspekte unter einen Hut zu bringen. Kontrast und Auflösungsvermögen sollen unabhängig von der Distanzeinstellung gut sein und zwar auch bei einigermassen geöffneten Blenden. Weiter soll die Randabdunklung nicht zu gross werden und auch die geometrische Verzeichnung sollte im Rahmen bleiben. Da sich mit gegebenem Aufwand nicht alles perfekt machen lässt ist Optikentwicklung zudem immer auch ein Kompromiss zwischen technisch und finanziell möglichem.
Der Weg hin zu modernen Foto-Objektiven war aufwändig, trickreich und lange, das Erreichte darf sich aber durchaus sehen lassen, am deutlichsten zeigt sich dies bei Normalobjektiven (Objektive, deren Brennweite ungefähr der Bilddiagonale entspricht):

  • Diese Objektive sind sehr lichtstark,
  • verzeichnen kaum,
  • sind wenig anfällig für Streulicht und Reflexe,
  • haben (mal abgesehen von maximal offener Blende) eine sehr hohe Abbildungsqualität,
  • sind kompakt
  • und trotzdem sehr preiswert.

Das ist eine beachtliche Leistung! Soviel Perfektion wirkt schnell mal langweilig - eine neue Herausforderung musste gefunden werden: Zoomobjektive, Objektive mit variabler Brennweite.

In Anlehnung an die variable Brennweite von Zoomobjektiven werden Objektive mit unveränderlicher Brennweite auch Festbrennweiten genannt.

Zeitgenössisches fotografisches Schaffen bedient sich heute grossenteils den Zoomobjektiven. Natürlich wird auch von diesen vernünftige Abbildungsqualität erwartet, weitgehend geht diese Erwartung auch in Erfüllung.

Wenn wir jedoch ganz allgemein die Eigenschaften von Festbrennweiten mit denjenigen von Zoomobjektiven vergleichen, so ergeben sich trotzdem ein paar Auffälligkeiten:

  • Was bei einer Festbrennweite bezüglich Lichtstärke als normal gilt (Blende 2,8) ist für ein Zoom bereits superlichtstark (und superteuer). Bei gleicher Blende wird ein (nicht allzu teures) Zoomobjektiv trotzdem eine leicht längere Verschlusszeit verursachen. Vielen Linsen bei nicht ganz optimaler Vergütung mögen doch einiges an Licht zu fressen, die höhere Randabdunklung fügt auch noch etwas hinzu. Nicht zu vergessen ist das Marketing, welches bei Angaben zur Offenblende auch gerne mal auf einen Standartwert abrundet um den Fotografen nicht unnötig zu verwirren. Im Extremfall kann der Unterschied bei Offenblende bis fast 1 Blende betragen.
  • Bezüglich gleichmässiger optischer Leistung über die Bildfläche, Randabdunklung (bei vergleichbarer Blende) und geometrischer Verzeichnung werden die meisten Festbrennweiten besser sein als Zoomobjektive. Das sich dies nicht immer aufs Bild auswirkt hat auch damit zu tun, dass viele Bilder Fehler kaschieren. Wo keine Gerade am Bildrand ist fällt geometrische Verzeichnung auch nicht auf.
  • Eine Objektiv fester Brennweite hat einen einfacheren optischen Aufbau als ein Zoomobjektiv, sprich weniger Linsen und somit auch weniger Glas-Luft-Übergänge. Sie ist deshalb prinzipbedingt weniger empfindlich auf Streulicht und Reflexionen als ein Zoomobjektiv. Zudem ist bei Zoomobjektiven meistens auch die Frontlinse grösser als bei Festbrennweiten gleicher Lichtstärke und ähnlicher Brennweite. Diese Frontlinse ist eine schöne und grosse Angriffsfläche für seitliches Streulicht mit bösen Absichten. Bedenken sie auch das beim Zoomobjektiv die Sonnenblende für die kürzeste Brennweite optimiert ist und deshalb bei den längeren Brennweiten nicht optimal sein kann.
  • Oftmals wird angeführt, mit Zoomobjektiven könne unbeschwert fotografiert werden. Betreffend "unbeschwert" folgendes: Ein hochwertiges Standardzoom (Nikon AF-S 28-70/2.8) wiegt fast 1kg, eine Nikon AF 50mm/1,8 Festbrennweite ist dem Zoomobjektiv optisch voraus und wiegt knapp 200g. Die Nahgrenze des Zooms ist 0.7m, diejenige der Festbrennweite 0.45m. Die Festbrennweite ist mehr als eine Blende lichtstärker. Und nicht zuletzt: Das Zoomobjektiv ist 4 Blenden teurer (Faktor 16).

Wenn Zoomobjektive jetzt als ungünstiger Kompromiss erscheinen, so liegt dies daran, dass bisher nur technische Kriterien zu Wort kamen und sich die Vorteile von Zoomobjektiven eher in der praktischen Anwendung finden lassen, in der Möglichkeit des schnellen Brennweitenwechsels:

Nicht jedes Motiv wartet geduldig darauf, bis der Fotograf die richtige Brennweite in der Tasche gefunden und an der Kamera montiert hat. Gerade aus diesem Grund werden für Reportagezwecke gerne Zoomobjektive eingesetzt.

Bild: Michael Albat

Da sitzen sie also, plötzlich haben sie diesen Schakal vor der Linse, er hat sie noch nicht gesehen. Sie haben jetzt genau zwei Möglichkeiten, das Bild zu ruinieren: Sie wechseln den Standort um in eine bessere Position zu kommen oder sie rufen ihm zu, damit er etwas näher kommt und in die Kamera schaut. Alternativ können sie auch versuchen, mit einem Zoomobjektiv das Beste aus der Situation zu machen.

Wer in staubiger oder sandiger Umgebung fotografiert mag es schätzen, wenn zum Zwecke des Brennweitenwechsels kein Objektivwechsel notwendig ist. Die Optik, der Verschluss und der Bildsensor resp. der Film (denken sie an Sandkörner auf dem Film) bleiben sauberer.

Die Möglichkeit, Brennweiten vom Weitwinkel (z.B. 28mm) bis zum leichten Tele (z.B. 105mm) bei noch moderater Lichtstärke (z.B. 3.5-4.5) mit einem Objektiv abdecken zu können, bietet gute Universalzooms als Reiseobjektive für kleines Gepäck an. Solche Optiken sind zudem auch recht preiswert.

Für die Entwicklung von Zoomobjektiven wurden in den letzten 20 Jahren ein hoher Aufwand getrieben und deren Abbildungsqualität hat entsprechend bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Gleichzeitig geschah bei der Entwicklung von Festbrennweiten nur noch in Rand- und Extrembereichen wesentliches. Aktuelle Zoomobjektive von professionellem Zuschnitt können deshalb die Abbildungsqualität von Festbrennweiten erreichen. Aber auch preislich entsprechen sie dann zumeist dem Gegenwert der durch sie ersetzen Festbrennweiten, die Sache hat also ihre Ordnung.

Auf der Gegenseite haben Festbrennweiten weiterhin ihre Berechtigung aufgrund ihrer Führung in Einzeldisziplinen, sei es weil sie lichtstärker sind, weniger Verzeichnung haben oder kompakter sind - aber auch weil eine einzelne Festbrennweite meist deutlich weniger kostet als ein höchstwertiges Zoom.

Am anderen Ende der Skala liegen die billigsten Kit-Objektive. Ihre Aufgabenstellung besteht darin, eine digitale Spiegelreflexkamera zu geringst möglichem Preis mit einem Objektiv zu vervollständigen, so dass sich mit diesem Set fotografieren lässt. Ihre Lichtstärke ist die Bezeichnung nicht wert, der Plastikeinsatz grosszügig, aber die Schärfe geht zumeist in Ordnung.

Weniger in Ordnung ist die Randabdunklung und die geometrische Verzeichnung treibt die Tränen in die Augen. Solche Kit-Objektive sind primär gemacht um schnellstmöglich ersetzt zu werden, man trifft sie deshalb auch in grosser Anzahl auf Ebay an.

Das Fusszoom

Ein meines Erachtens nach wichtiger Punkt hat nicht mit dem Zoomobjektiv selbst zu tun, dafür um so mehr mit dem Fotografen: Zoomobjektive erlauben durch die Wahl der Brennweite unterschiedliche Ausschnitte eines Motivs. Die so entstehende Auswahl an Bildmöglichkeiten vermittelt dem unbedachten Fotografen das Gefühl des Gestaltens. Der beste sich ergebende Ausschnitt wird dann als Bild realisiert und fertig ist das Werk. Nicht selten entsteht dieses Bild mit maximaler oder minimaler Brennweite, sich ergebend aus dem zufälligen Standort des Fotografen.

Dem Fotografen mit Objektiven fester Brennweite stellt die Ausschnittwahl grösseren Widerstand entgegen, er muss seinen Ausschnitt erlaufen. Die Perspektive wird bekanntlich durch den Standort festgelegt, die Bildauswahl enthält für diesen Fotografen somit unterschiedliche Perspektiven, während der Herumzoomer nur unterschiedliche Bildwinkel durchprobiert.

Ein Zoomobjektiv entwickelt somit auch einen tieferen Sinn, indem es gute von mässigen Fotografen separiert. Sie sollten darauf achten, dass ihr Objektiv sich nicht gegen sie wendet.

Und weil ich beim Thema bin, einen weiteren Zahn möchte ich gleich auch noch ziehen:

Telekonverter

Telekonverter sind Optiken, welche zwischen Objektiv und Kamera eingesetzt werden. Sie verlängern die Brennweite des Objektivs um einen bestimmten Faktor, zumeist 1.4 oder 2.0 (Exoten auch um 1.6 oder 3.0). Aus einem 200mm Teleobjektiv wird also ein stolzes Paperazzi-Tele mit 400mm Brennweite bei Verwendung eines 2fach Telekonverters.
Und wie üblich in diesen Seiten, nachdem ich ihnen den Speck durch den Mund gezogen habe folgt jetzt die Ernüchterung: Das Ganze geht nicht ganz gratis.

  • Die Eintrittsöffnung des Objektivs bleibt gleich, die Brennweite wird verlängert. Daraus ergibt sich die Tatsache, das die relative Lichtstärke des Objektiv in dem Masse abnimmt wie die Brennweite zunimmt. Bei Verwendung eines 1.4-fach-Telekonverter reduziert sich die Lichtstärke um einen Blendenwert, bei Verwendung eines 2fach-Konverters um 2 Blendenwerte.
  • Bedingt durch die längere Brennweite benötigen sie einen kürzere Belichtungszeit um unverwackelt aus der Hand fotografieren zu können, gleichzeitig hat auch die Lichtstärke abgenommen. Derart gerät man sehr schnell in einen Bereich, in welchem Fotografieren aus der Hand nicht mehr sinnvoll möglich ist und ein Stativ zur Pflicht wird.
  • Telekonverter machen eigentlich nichts anderes als eine Ausschnittvergrösserung. Das Bild entspricht dem Ausschnitt eines Entsprechend grösseren Bildes - leider auch betreffend Abbildungsqualität. Abbildungsfehler des Objektivs werden derart schnell mal sichtbar. Erschwerend kommt hinzu, das der Telekonverter auch nicht fehlerfrei abbildet.
  • Telekonverter ergänzen das verwendete Objektiv, entsprechend sollten sie aufs Objektiv abgestimmt sein. Ein universeller Telekonverter wird sich deshalb nie mit allen Objektiven gleichermassen gut vertragen. Die Hersteller bauen Telekonverter abgestimmt auf ihre Superteleobjektive. Die Idee dahinter ist, dass solange ohne Telekonverter gearbeitet wird, bis darauf nicht mehr verzichtet werden kann (sprich: bis kein Objektiv mit gewünschter Brennweite mehr existiert).
  • Der Autofokus ist auf eine minimale Lichtstärke angewiesen, ansonsten wird er langsam und unsicher, oftmals verweigert er seine Funktion ab Lichtstärke 5.6.
    Ein 2-fach-Konverter erfordert dafür ein Objektiv mit Offenblende 2.8.
  • Um mit lichtstarken Objektiven zu arbeiten ist beim Telekonverter ebenfalls eine grosse Öffnung notwendig. Viele günstige Telekonverter sind nur für Objektive ab Lichtstärke 2.8 ausgelegt.

Daraus ergibt sich für den Amateurfotografen folgendes Fazit:

  • Verwenden sie einen Telekonverter dort, wo der Kauf eines entsprechenden Teleobjektivs für den Amateur keinen Sinn mehr macht (z.B. ab 300mm Brennweite).
  • Verwenden sie ihren Telekonverter nur im Zusammenhang mit einer genügend guten Festbrennweite. Vermeiden sie den Einsatz des Telekonverters mit einem Zoom-Objektiv.
  • Verwenden sie wenn möglich einen 1.4-fach Telekonverter - im Schnitt bleibt von der Abbildungsleistung mehr erhalten als mit einem 2-fach Telekonverter.
  • Da der Originaltelekonverter in den wenigsten Fällen zur längsten Brennweite im Amateurprogramm gerechnet ist kann durchaus auch ein "universeller" Telekonverter einer Fremdmarke gekauft werden (z.B. Kenko 2fach-Konverter). Er wird "genauso schlecht" ans Objektiv angepasst sein wie ein Originalkonverter.
  • Jeder 2-fach Telekonverter mit weniger als 7 Linsen ist Schrott, das gleiche gilt für 1.4-fach Telekonverter mit weniger als 5 Linsen. Basta!

Bei Verwendung eines Telekonverters mit einem Makroobjektiv verdoppelt sich der maximal mögliche Abbildungsmassstab. Geht ihr Makroobjektiv bis Abbildungsmassstab 1:1, so dehnt ein 2fach-Telekonverter diesen bis 2:1 aus.
Bei diesem Massstab muss man allerdings schon sehr aufmerksam vorgehen. Die förderliche Blende bei Abbildungsmassstab 2:1 für Kleinbild ist  Blende 16 (Streuung an der Blende ist identisch mit dem Unschärfekreis zur Bestimmung der Schärfentiefe). Am Objektiv sollte also nur noch maximal Blende 8 vorgewählt werden um optimale Resultate zu erhalten.

Bildstabilisator oder lichtstarke Optik

Diese Frage wird gerne im Zusammenhang mit einem Rechnungsbeispiel gestellt. Ein Universalzoom mit Offenblende 4.5-5.6 ist mit einem Bildstabilisator ausgestattet, als Alternative wird zumeist ein 28-70mm/2.8-Objektiv aufgeführt. Beigelegt ist eine Überlegung welche in etwa wie folgt lautet:

Die Blende 5.6 beim lichtschwächeren Objektiv mit zwei Blenden Gewinn infolge der Bildstabilisierung ergibt exakt die gleiche Blende 2.8 wie beim lichtstarken Objektiv. Für die Fotografie aus der Hand müssten die beiden Objektive somit gleichwertig sein.

Da wird scheinbar was verwechselt.

  • Die Blende wird durch die Bildstabilisierung nicht grösser - einzig und alleine eine längere Verschlusszeit kann aus der Hand gehalten werden. Das ist gut für statische Motive und schlecht für bewegte, weil eben nur das Objektiv stabilisiert wird und nicht das Motiv. So gesehen hat das lichtstarke Objektiv die Nase vorne.
  • Geht's mal um geringe Schärfentiefe, dann hat das lichtstarke Objektiv erneut die Nase vorne.
  • Ist es hell genug um nicht auf den Bildstabilisator angewiesen zu sein, so haben sie bei Blende 5.6 beim einen Objektiv zwei mal abgeblendet und das andere arbeitet bei Offenblende - mit entsprechenden Unterschieden in der optischen Leistung. Ein Pluspunkt für die lichtstarke Optik.
  • Wenn's Nacht wird hilft ihnen der Bildstabilisator nichts mehr, sie benötigen trotzdem ein Stativ. Das Objektiv mit Bildstabilisator kann seinen Vorteil nicht ausspielen.
  • Wenn sie allerdings möglichst ohne Stativ fotografieren wollen, bei Detailaufnahmen gerne mal kräftig abblenden, einen grossen Zoombereich suchen und gerne mit einem dunklen Sucherbild leben, dann ist das Objektiv mit Bildstabilisator exakt für sie gemacht. Greifen sie zu.
  • Etwas anders sieht es bei den 80-400mm Brennweiten aus. Eine passende lichtstarke Version existiert nicht und die entsprechenden langen Festbrennweiten sind nur für begüterte Hobbyfotografen erschwinglich und für die stärksten unter Ihnen aus der Hand einsetzbar. Da kann ich den Bildstabilisator nur begrüssen, auch wenn ich (momentan) selbst kein 80-400mm brauche.

Welche Objektive braucht der Fotograf?

Als klassische Grundausrüstung galt lange Zeit je ein Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv. Man empfahl Festbrennweiten, was möglicherweise aber auch daran lag, dass es lange Zeit Zoomobjektive nicht gab. Ganz offensichtlich hielt man auch nicht alle Brennweiten für notwendig. Wesentlich erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass Brennweite nicht die einzige Eigenschaft von Objektiven ist.

Überlegen sie ganz allgemein, welche zusätzlichen Möglichkeiten eine neue Optik ihnen als Fotograf eröffnet. Bedeutende Eigenschaften, welche Möglichkeiten eröffnen, sind Lichtstärke und Nahgrenze, aber auch Abbildungsqualitäten wie Verzeichnungs- und Reflexfreiheit. So gesehen hat die oben stehende klassisch kleine Grundausrüstung doch einiges zu bieten.

Einen Einkaufsführer geb ich ihnen hier nicht an - einerseits weil ich Brauchbarkeit und Qualität von Optiken nicht beurteilen will resp. meine Massstäbe nicht zu den ihren machen möchte. Aber ein paar Hinweise zu ein paar allgemeinen Optiktypen dürfen sein:

  • Ein gemässigtes Universalzoom (z.B. 28-105mm/3.5-4.5 für das Kleinbildformat, resp. 18-70mm für Kameras mit APS-C Bildsensoren). Dies ist die Meistensdrauf-Optik der Ausrüstung. Sie beinhaltet alle wichtigen Brennweitenbereiche vom Weitwinkel über das Normalobjektiv bis hin zum kurzen Teleobjektiv für Porträt, dies bei weitgehend ansprechender Abbildungs-Qualität. Oftmals wird solchen Objektiven einen kurze Nahgrenze mitgegeben, welche auch Detailaufnahmen erlaubt, zumeist werden diese Objektive dann mit dem Namenszusatz Makro angeboten. Durch ihre Vielseitigkeit bei noch kompakten Abmessungen sind diese Objektive der ideale Begleiter für kleines fotografisches Gepäck, wenn Fotografie nur nebenbei, möglichst unbelastend und ohne andauerndes Objektivwechseln betrieben werden soll.
  • Makroobjektiv 105mm/2,8: Qualitativ hochwertige Makroaufnahmen bis Massstab 1:1 und gleichzeitig ein universelles Teleobjektiv mit guter Lichtstärke.
  • Festbrennweite 35mm/2,0 oder 50mm/1,4:
    An einer Kamera mit APS-C Bildsensor (Cropfaktor 1,5) wird das 35mm/2,0-Objektiv zur Normalbrennweite, das 50mm/1,4 wird entsprechend zum kurzen Tele, dessen Bildwinkel stellt die untere Grenze mit Eignung für klassisches Porträt dar. Als zumeist sehr günstige Alternative bieten die Hersteller fast immer auch ein 50mm/1,8-Objektiv  an. Diese Optiken fügen die Kategorien Lichtstärke und Kompaktheit zu ihrer Ausrüstung. Kompaktheit kann ein entscheidendes Kriterium darstellen, wenn es darum geht, ob sie mit einer Szene unauffällig verschmelzen. Die Wahrscheinlichkeit zu einem natürlichen Porträt zu kommen nimmt in dem Mass ab wie sie zunehmend als Paparazzo eingeschätzt werden. Lichtstärke erschliesst ihnen die Fotografie wenn die Stimmung besser ist als die Lichtverhältnisse. Ohne Blitz notabene, damit die Stimmung nicht genau dann abhaut wenn sie fotografieren.
  • Telezoom oder evtl. Festbrennweite 180mm/2,8: Genügend Brennweitendifferenz gegenüber 105mm um neue Sehweisen zu ermöglichen und eine geeignete Ergänzung zu 105mm für Porträts. Geeignet auch für Schnappschussfotografie.

Mehrere konkrete Ausrüstungs-Vorschläge für das Canonsystem hältSoeren Spieckermann auf seiner Website für sie bereit.

Mit jedem neuen Objektiv empfiehlt sich eine Kennenlernreise. Ein Wochenende lang nur mit einem einzigen Objektiv fotografieren um festzustellen, was damit alles möglich ist. Schränken sie sich dabei bei der Themenwahl nicht ein. Probieren sie so viel wie möglich aus. Wechseln sie bloss nicht das Objektiv. Wer mit dem Weitwinkelobjektiv unterwegs ist kann durchaus auch mal versuchen damit gegen den Mainstream ein Weitwinkel-Porträt zu machen. Nach dem Wochenende werden sie dessen Eigenheiten und Möglichkeiten besser einschätzen können. Die oben stehende Ausrüstung ermöglicht ihnen sehr viel, deutlich mehr als nur "Urlaubsbilder", gleichzeitig enthält sie aber noch keine Extreme.

Bild: Jean Louis Allaman
Aufnahme mit Sigma Makro 180mm/3.5 mit Vorsatzachromat 3 Dioptrien.

Bestimmte Motivbereich werden sie längerfristig mehr ansprechen als andere. Aufgrund dieser fotografischen Spezialisierung ihrerseits kann die Grundausrüstung spezifisch mit Objektiven für ihren individuellen Bedürfnisse weiter ausgebaut werden.

Für gewisse Objektive haben sie schlicht und einfach auch keinen Bedarf. Sollten sie ein Objektiv nur mal "ausprobieren" wollen, so können sie dieses gegebenenfalls auch ausleihen oder mieten.

Allgemein gilt: Objektive werden um so teurer je weniger man sie braucht.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort von Michael Albat:

Wer grundsätzlich für alles offen sein will ist vermutlich nicht ganz dicht.