If it's not a bug, then it's a feature

Wie in der Einleitung zu diesem Artikel erwähnt, zählt die Kamera selbst gezwungenermassen zu den ersten Teilen in einer angehenden Fotoausrüstung.

Es ist klar, dass ich eine eigene Ansicht habe was den richtigen Typen betrifft um mit dem Fotografieren zu beginnen - allerdings möchte ich ihnen den nicht einfach auf dem Silbertablett servieren.

Andererseits möchte ich ihnen auch nicht verheimlichen, das meine Meinung nicht nur eindeutig ist, ich habe mehrere Kameras - die genaue Anzahl möchte ich hier verschweigen - und es sind dies mit einer Ausnahme nicht identische.

Eine Kamera sollte sowohl zum Fotografen und seinen Ambitionen passen als auch eine Eignung für dessen angestrebte Motivbereiche aufweisen.

Fotografische Erlebniswelten

Zitat aus einem fc-Forum:

He, ich habe teures Zeug entdeckt, mit dem ich jetzt billige Fotos machen kann.

4 Equipment-Versionen will ich ganz kurz skizzieren und den sich ergebenden fotografischen "Erlebnisbereich" umschreiben. Die Systeme sind:

Digitale Kompaktkamera

Dieser Kameratyp bedeutet unbeschwertes digitales Fotografieren. Unbeschwert im Sinne davon, dass die Kamera Bilddateien liefert, welche bereits ohne weitere Bearbeitung geeignet sind um Abzüge (resp. Ausducke) machen zu lassen. Dieser Kameratyp wird in starkem Masse - im Positiven als auch im Negativen - durch das kleine Format des Bildsensors geprägt:

  • Der offensichtlichste Vorteil gibt der Kompaktkamera ihren Namen. Eine kompakte Kamera kommt an Orte mit wo andere Kameras zu Hause bleiben.
  • Mit kleinem Sensor fallen auch die Objektive entsprechend klein aus. Kompaktkameras weisen gelegentlich Teleobjektive mit äquivalenten Brennweiten (bezogen auf das Kleinbildformat) von über 400mm auf. Ob dies sinnvoll sei ist eine andere Diskussion. Im Gegenzug wird diesen Kameras oft kein rechter Weitwinkel gegönnt.
  • Durch den kleinen Sensor bedingt ist eine gegenüber dem Kleinbildformat deutlich erhöhte Schärfentiefe. Ein Vorteil wenn sie erhöhte Tiefenschärfe suchen, z.B. für Makrofotografie. Kompaktkameras weisen oft ganz erstaunliche Makrofähigkeiten auf. Hingegen ist die grosse Schärfentiefe ein schwerer Nachteil wenn sieUnschärfe in ihre Gestaltung einbeziehen möchten.
  • Bei identischer Belichtungszeit muss ein kleiner Pixel mit weniger Lichtenergie auskommen als ein grosser, die Pixel müssen deshalb "empfindlicher" sein und rauschen somit auch mehr. Oft ist das Rauschen bereits bei mittlerer Lichtempfindlichkeit von ISO400 sehr störend. zusätzlich verschlingt die Rauschunterdrückung nebst Rauschen auch feine Details des Motivs - dies schränkt die Verwendung der Kamera bei wenig Licht leider etwas ein.
  • Bei diesem Kameratyp kann das Objektiv nicht gewechselt werden, die unterschiedlichsten Aufnahmesituationen werden mit dem einen immergleichen Objektiv bestritten. Obwohl diese Objektive als Mehrkämpfer erstaunliches vollbringen, sind sie in den Einzeldisziplinen kaum hochklassig.

Die Bildqualität von Kompaktkameras wurde in einem Artikel aufLuminous Landscape folgendermassen umschrieben:

Image quality assessment is always a relative and a subjective thing. There's little point in comparing digicams and DSLRs.

Das hat er schön geschrieben.

Digitale Spiegelreflexkamera (DSLR)

Eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) ist vermutlich der Kameratyp den sie sich wünschen wenn sie Fotografie als ihr (zukünftiges) Hobby sehen. Damit liegen sie nicht falsch. Dieser Kameratyp ist die aus technischer Sicht logische Empfehlung, sie lässt sich am einfachsten argumentieren.

Spiegelreflexkameras (sowohl analog Kameras für Aufnahmen auf Film als auch digitale) sind äusserst vielseitig und ermöglichen hervorragende Bildqualität. Auswechselbare Objektive und das Prinzip des Spiegelreflexsuchers machen aus den Spiegelreflexkameras die universellsten Kamerasysteme überhaupt. Die grosse Anzahl Zubehör macht die Kamera zum zentralen Teil einer flexibel gestaltbaren Foto-Ausrüstung. Allerdings bedeutet dies auch, dass sie sich durch den Kauf der Kamera weitgehend für Zubehör ebendieser Marke entschieden haben.

Eine digitale Spiegelreflexkamera eignet sich für Fotografen, die bereit sind, die Grundlagen von Fotografie und digitaler Bildbearbeitung richtig zu erlernen. Wohl bemerkt, damit ist nicht gemeint, nur das Kamerahandbuch zu lesen.

Zusätzlich zu Kamera und Optiken werden sie noch einiges benötigen, wenn sie sich für diesen Kameratyp entscheiden:

  • Ein leistungsfähiger Computer,
  • mit gutem Monitor (am besten farbkalibriert) und
  • eine geeignete Bildbearbeitungssoftware.
  • Dazu eventuell ein guter Fotodrucker.

Ebenfalls kommen sie nicht um eine systematische Archivierung der Bilder (inkl. Backup) herum, wenn sie beginnen, digital zu Fotografieren (dies gilt im übrigen auch für digitale Kompaktkameras).

Analoge Kleinbild-Kamera

Die einfachste analoge Wahl wird eine Kamera fürKleinbildfilm sein. Bei den aktuellen Preisen auf dem Secondhandmarkt können sie sich selbst eine analoge Topkamera zu moderaten Kosten leisten (z.B. eine Nikon F5). Geld für entsprechende Optiken wird so eher übrig bleiben. Liegen ihre Ambitionen im Bereich Reportage, bei knappem verfügbarem Restlicht (Available Light) mit einer eher unauffälligen kompakten und leisen Kamera, dann ist eine analoge Messsucherkamera (z.B. Leica M6) das Werkzeug ihrer Wahl.

Auch hier gibt es Zubehör, welches ich für sinnvoll halte:

  • Gönnen sie einem Diaprojektor ein sinnvolles Dasein.
  • Ein Flachbettscanner mit Durchlichteinheit liefert ihnen Daten, damit sie ihre Bilder im Internet präsentieren können. Für hochwertige Abzüge möchten sie evtl. einen richtigen Filmscanner.
  • Evtl. eine Jobodose (Jobo 1520) um S/W-Filme selbst zu entwickeln. Dies istkein Hexenwerk, aber sie werden sich als Hexer fü

Die Wahl einer analogen Kamera lässt sich heute nicht mehr einfach begründen - zu offensichtlich sind für viele die Vorteile der Digitalfotografie. Man hat heutzutage oftmals auch den Eindruck, mit analogen Kameras könne nicht mehr fotografiert werden. Zumindest konnte man dies während langen Jahren analoger Fotografie ganz gut, aber wahrscheinlich waren die Fotografen einfach anspruchslos.

Oft handelt es sich bei der Wahl einer Analogkamera um eine individuelle (aber nicht zwingend bewusste) Entscheidung, begleitet von nichttechnischen Betrachtungen zur Fotografie:

  • Die Negative oder Dias sind materialisiert.
  • Manuelle Tätigkeit - Kunsthandwerk
  • Klassische Fotografie ist analog.
  • Die Beliebigkeit des digitalen, alles im Nachhinein noch ändern zu können.

Die letzte Neuerung, die unsere Art, die Welt zu sehen, völlig verändert hat, war die Fotografie. Sie brauchte rund sechzig Jahre, um in die Verwendung und Akzeptanz in der Masse hinabzusickern. Inzwischen aber hatte sie die Malerei radikalisiert, so dass die gewaltigen experimentellen Sprünge, die die Malerei in den letzten hundert Jahren gemacht hat, möglich wurden. Die Fotografie schenkte der Malerei die Freiheit, zu tun, was sie schon immer am besten beherrschte, nämlich in die typischen Merkmale ihrer eigenen Sprache zu investieren und nicht als Sklavin der Reportage, des Realismus und des Dokumentarischen zu verkümmern.

Peter Greenaway, 1992

Das war 1992. Gelegentlich hab ich auch den Eindruck, die analoge Fotografie sei durch ihr digitales Pendant befreit worden. Der "ewige technische Fortschritt" muss analog nicht mehr mitgemacht werden, eine Entlastung, welche gegebenenfalls ein beachtliches kreatives Potential freilegen kann.

Analoges Mittelformat

Was ich geschrieben habe für die analoge Kleinbildkamera gilt ganz speziell auch für das analoge Mittelformat. Diesen Schritt möchte ich empfehlen wenn sie ihn mit eigener Filmentwicklung und idealerweise Zugang zu einer Dunkelkammer verbinden wollen. Diese Tätigkeiten sind keinesfalls schwer, Anleitungen gibt es z.B. beiSW-Magazin. Wenn sie eine Datei brauchen für die fotocommunity, ein günstiger Scanner erledigt für sie. Mehr brauchen sie nicht. Dafür komponieren sie von jetzt an in aller Ruhe auf grosser Mattscheibe quadratische Bilder, während andere angestrengt durch kleine Sucher blickend Motive jagen.

Wer andern eine Grube rät...

Einige der Themen hier orientieren sich an Equipment-Diskussionen in Fotoforen. Die Texte sind meine Art um an den Streitereien in den Fotoforen effizient teilzuhaben:

Einfachheit und unmittelbares Erschliessen von Zusammenhängen (Back to the roots)

Fotografie in ihrer Grundform ist einfach: sie entscheiden sich für einen Film mit einer bestimmten Empfindlichkeit, damit fotografieren sie dann während der Dauer von zumeist 36 Bildern. So haben sie kameraseitig eine überschaubare Anzahl von Parametern:

  • Die Blende (und sich daraus ergebende Verschlusszeit)
  • sowie die Schärfe (Fokussierung).
  • Eventuell kommt noch die Brennweite dazu.

Zusammenhänge und Wirkungsmechanismen lassen sich so schnell erfassen und verinnerlichen, derart bleibt viel Raum für Gedanken ans Bild.

Jeder zusätzliche Parameter verkompliziert die Fotografie, bei modernen Kameras sind dies doch schon einige. Bei digitalen Kameras kommen noch dazu, dass einige Parameterentscheide Bild für Bild getroffen werden können und nicht nur einmal pro Film. Um davon gedanklich nicht absorbiert zu werden ist es um so wichtiger, dass die grundlegenden Einstellungen an der Kamera von ihrem Rückenmark und nicht vom Kopf gesteuert werden.

Genau gegenläufig dazu ist die Idee von Motivprogrammen - ihr Sinn besteht darin, die Wirkmechanismen von Blende, Verschlusszeit und zum Teil auch der Fokussierung nicht kennen zu müssen. Die Idee ist verlockend. Allerdings ist es nicht so, dass sie nun nichts lernen müssten. Leider kann das Porträtprogramm die richtige Optik nicht selbst montieren und das Sportprogramm macht aus dem Fotografen auch noch kein Sportfotograf. Sie müssen statt dessen wissen, welches Motivprogramm wozu dient, worin seine spezifische Eigenheit und Eignung liegt. Ergo müssen sie sich trotzdem noch selbst mit dem fotografischen Gebiet auseinandersetzen. Sie müssen wissen welche Aspekte von Bedeutung für das Bild sind, aber das Motivprogramm wird ihnen unfairerweise nicht verraten, mit welchen Parametern dies umgesetzt wird. Motivprogramme halten sie also davon ab, den Mechanismus des Fotografierens zu verstehen, ihre Energie verwenden sie statt dessen um die Motivprogramme zu verstehen - dies ist eine Ersatzhandlung.

Einfach ist also nicht eine Kamera mit möglichst vielem Motivprogrammen, sondern eine Kamera reduziert auf das notwenige, dies aber einfach und direkt.

Eine Ausrüstung, bei der alles einfach, direkt und unmittelbar wirkt, besteht aus einer alten analogen, manuell fokussierbaren Kamera (im Nikonprogramm ist die z.B. die Nikon F3) mit drei Festbrennweiten, einem Weitwinkelobjektiv (28mm/2.8), einem Normalobjektiv (50mm/1.8) und einem Teleobjektiv (z.B. 105mm/2.5). Dies ist die materialisierte Form von Back to the roots.

Automatisierungsgrad

Wie viel Automatik braucht der Fotograf?

Mit "Automatik" meint der Fragesteller zumeist Autofokus und die verschiedenen Mess-Charakteristika, Programmautomatik, Belichtungsreihen-Automatik, bei analogen Kameras aber auch Winder oder Motor.

Diese scheinbar so offen gestellte Frage ist tückisch, denn man kann sie mit "Gar keine" beantworten: "Brauchen" braucht man sicher gar keine Automatik - sprich: "Es geht auch ohne".

Bild: Michael Albat

Ein schneller Autofokus wird heutzutage als essentiell vermarktet. Wie schnell muss der Autofokus des Objektivs sein? Generell wird diese Feature eher überschätzt. Es reicht für die meisten Fälle wenn er treffsicher und präzise arbeitet. Ansonsten würde ich ihn eher als Komfort denn als Notwendigkeit bezeichnen. Selbst die Fotografie wilder Tiere benötigt ihn nicht zwingend.

Man hat jahrelang Sportfotografie ohne Autofokus betrieben, und es sind auch gute Bilder dabei herausgekommen. Es ist auch richtig, dass man für Objektive unterhalb, sagen wir mal, 50mm kein Autofokus braucht; ja es kann sogar sein, das Autofokus dort eher hinderlich ist. Die Frage kann nicht sein, ob man Automatik "braucht". Die Frage kann höchstens sein, ob und unter welchen Bedingungen man (welche) Automatik "gebrauchen" kann. Sinnvoll einsetzen, etwa, um den Ausschuss zu verringern oder die Trefferquote zu erhöhen.

Wenn es das fotografische Betätigungsfeld mit sich bringt, dass genügend Zeit vorhanden ist, das Stativ aufzubauen, das Motiv auszumessen oder/und auszuleuchten, dann wird man gut auf alle Automatiken verzichten können.

Faustregel: Je mehr Kontrolle sie über die Aufnahme-Situation haben, desto weniger Automatik können sie brauchen:

  • Je mehr Kontrolle über die Belichtung, desto weniger Belichtungs-Automatik,
  • je mehr Kontrolle über die Distanz (Änderung und Geschwindigkeit), desto weniger AF,
  • je mehr Kontrolle über die Auslösehäufigkeit, desto weniger Motor.

Ein Extremfall der "Völligen Kontrolle" ist die Studio-Fotografie in der Spielart "Stillleben". Sagen wir, beispielsweise, ein Stillleben mit einem offenen Buch oder einer Bibel, vorzugsweise mit einer daneben stehenden brennenden Kerze. Hier ist die Kontrolle eigentlich nur durch Ihre Fähigkeiten begrenzt: sie können

  • die Beleuchtung setzen und ändern,
  • unendlich lange die Perspektive (und damit auch die Distanz) ändern,
  • mit Graukarte und Belichtungsmesser hantieren,
  • sogar alles abschalten, nach Hause gehen und morgen wiederkommen.

Hier sind sie folglich schon mit der einfachsten, manuell zu bedienenden Kamera ausreichend ausgestattet.

In der Sport- und Tierfotografie hingegen, mit "langen Tüten", da kann man den Autofokus schon gut gebrauchen. Bei der Theater-Fotografie kann eine Spot-Messung hilfreich sein, und eine Reihenbelichtung. Und ein schneller Filmtransportmotor. Und so weiter.

Der Extremfall "Keine Kontrolle" ist vielleicht die Variante "Sport" in der Open-Air-Fotografie. Ein Fussballspiel an einem April-Nachmittag, mit schnell wechselnden Lichtverhältnissen und schnell wechselnden Distanzen. Hier wird die Kamera zur Fotografier-Maschine. Sie selbst können kaum mehr kontrollieren als den Bildausschnitt und den Zeitpunkt der Belichtung. Hier kann man alles brauchen, was die Kamera-Hersteller an Automatik so bieten können.

Ergonomie

Die Ergonomie entscheidet, ob ihnen Fotografie langfristig Spass macht.

Wie empfinden sie die Kamera in der Hand?
In Fotozeitschriften wird oftmals die Ergonomie bewertet. Es gibt was Grösse und Gewicht betrifft keine für alle gleichermassen ideale Kamera. Nehmen sie die Kamera selbst in die Hand, was interessiert es sie ob die Kamera persönlich dem Tester xy in die Hand passt. Sie wollen doch damit fotografieren?

Erscheint ihnen die Kamera zu klein, dann ist evtl. ein Batteriegriff empfehlenswert, zumeist haben diese auch noch einen zusätzlichen seitlichen Auslöser für Hochformataufnahmen.

Sind die wichtigsten Bedienelemente gut zugänglich, entspricht die Bedienphilosophie ihren Bedürfnissen? Eine gute Kamera hat für alle wichtigen Einstellungen direkte Bedienelemente ohne Umwege über Menüs, Einstellebenen und Enterbestätigungen. Wenn jede Einstellung zu einer Bedienungs-Odyssee wird, dann werden sie bald lustlos und vernachlässigen all die sinnvollen Möglichkeiten.

Zur Ergonomie zählt auch der Sucher: Wenn sie beim Blick durch den Sucher das Gefühl haben im Theater auf den Sperrsitzen Platz genommen zu haben, dann entwickelt sich die Kamera vom Pferd zum Reiter - das wollten sie so nicht.

Wachsen mit der Kamera

An Anfänger: Suchen sie sich nicht eine Kamera, bei der sie schon alles verstehen. Wenn die Kamera alles selbst macht und sich jeglichem Eingriff  versperrt könnte mit etwas Erfahrung ihrerseits Frust aufkommen, verbunden mit dem vorzeitigen Wunsch nach einer anderen Kamera.

Sprechen sie Ihren Händler darauf an, dass sie eine Kamera möchten, mit welcher sie wachsen können, er wird sie diesbezüglich richtig beraten. Auch wenn die Kamera selbst alles "richtig" machen kann, Experimentieren resp. absichtlich falsch machen macht auch Spass. Wollen sie gleich von Anfang an darauf verzichten?

Sensorgrösse

Die Grösse des Bildsensors hat für die digitale Fotografie drei unmittelbare Auswirkungen:

  • Je kleiner die Pixel sind, desto anfälliger sind diese für Rauschen. Die Verwendbarkeit kleiner Sensoren ist dadurch für hohe ISO-Empfindlichkeit stark eingeschränkt.
  • Die Objektive für kleine Sensoren dürfen nicht zu stark abgeblendet werden, da infolge der kleinen zulässigen Zerstreukreise die beugungsbedingte Unschärfe schnell auftritt.
  • Die Schärfentiefe ist abhängig von der Brennweite und diese wird bei gegebenem Bildwinkel von der Sensorgrösse bestimmt. Daraus ergibt sich, dass kleinste Bildsensoren wie sie in Kompaktkameras verbaut werden Bilder entstehen lassen, bei welchen bereits ab normaler fotografischer Distanz alles bis zu Horizont scharf erscheint.

Grosse Sensoren erscheinen daher attraktiv. Bei digitalen Spiegelreflexkameras hat sich eine Sensorgrösse im APS-C Format (ca. 24x16mm²) eingebürgert. Das C in APS-C steht für Classic und weisst auf die gleichen Seitenverhältnisse von 3:2 hin, wie sie auch der klassische Kleinbildfilm hat.

Einige wenige Kameras verwenden Sensoren in der Grösse des Negativs beim Kleinbildfilm (36x24mm²), so genannte Vollformatsensoren. Ein paar Aspekte von APS-C Sensoren und Vollformatsensoren im Vergleich:

  • Bei APS-C Sensoren ergibt sich bei gleicher Brennweite ein kleinerer Bildwinkel als bei Vollformat. Für Fotografen, welche auf lange Brennweiten angewiesen sind ergibt sich durch diesenCropfaktor ein Vorteil. Wenn sie also fotografisch den Telebereich suchen, dann haben sie Grund zur Freude.
  • Grössere Sensoren haben normalerweise höhere Auflösung und geringeres Rauschen als kleinere Sensoren. Dazu muss aber auch das Objektiv seinen Teil beitragen. Im Weitwinkelbereich können selbst hochwertige Optiken nur in wenigen Fällen genügen. APS-C Sensoren verwenden bei Optiken für das volle Format nur den zentralen Teil des Bildes, die schlechten Ränder haben auf das Bild keine Einfluss.
  • Die Tiefenschärfe beim APS-C Sensor ist grösser. Beim Einsatz langer Brennweiten ist die Schärfentiefe sehr gering, es ist daher anzunehmen, dass sich die etwas grössere Tiefenschärfe im Telebereich als Vorteil herausstellt. Ähnlich wird es auch Makrofotografen ergehen, welchen ebenfalls jeder Zugewinn an Schärfentiefe willkommen sein dürfte.
    Weniger günstig sieht die Sache aus wenn sie geringe Schärfentiefe wünschen. Die beiden Sensorgrössen unterscheiden sich in der Tiefenschärfe bei normalen fotografischen Distanzen ungefähr in gleichem Mass, wie auch durch das Schliessen der Blende um einen Wert ein Unterschied entsteht.
  • Für die Vorteile einer Kamera mit Vollformatsensor werden sie den Hersteller fürstlich entlöhnen müssen.

Oft wird im Bezug zur SensorgrösseMoores Law erwähnt. Dieses besagt, das sich die Komplexität von digitalen Schaltkreisen in jeweils gleich bleibenden Zeiträumen (24 Monate) verdoppeln wird. Die gewünschte Ableitung davon ist, dass demzufolge in Kürze Vollformatsensoren zu gleichem Preis erhältlich sein werden wie die heutigen Sensoren im APS-C-Format. Dies ist ein Wunschtraum, das Mooresche Gesetz kann da nicht helfen - es sagt nicht aus, dass die Chips grösser werden, sondern nur, dass sie dichter gepackt werden. Sie dürfen also in Zukunft mehr Pixel erwarten, aber das ist nun wirklich keine grosse Überraschung. Ausserdem: es gibt auch noch jede Menge anderer Gesetze die man fast beliebig zitieren könnte, im Zusammenhang mit Komplexität passt z.B.Murphys Law ganz gut :-)

Megapixel und Pixelgrösse

Die grosse immerwährende Frage ist diejenige nach der benötigten Anzahl Megapixel. Davon kann man nie genug haben - zumindest steht es so in der Werbung, der gleiche Eindruck kriegt auch, wer die Entwicklung bei Kompaktkameras verfolgt.

Ein wichtiger Aspekt ist die Grösse der Pixel. Je kleiner diese sind, desto stärker rauschen sie. Problematisch wird die Sache bei Kompaktkameras mit sehr hoher Auflösung bei gleichzeitig sehr kleinem Sensor. Abgesehen davon, dass die angebaute Optik oftmals mit dem Bildsensor auflösungsmässig nicht mehr mithalten kann, erhält der Fotograf vor allem stark erhöhtes, aber dafür fein aufgelöstes Rauschen, welches als Datei viel Speicherplatz belegt. Ich habe das Gefühl, dass sich da das Marketing gegenüber den Fotografen abgesetzt hat.

Bei DSLR-Kameras sind die Pixel infolge des deutlich grösseren Sensors selbst auch grösser und deshalb sehr rauscharm - selbst wenn man in Foren oftmals anderes hört. Hey Leute, wenn es bei ISO1600 ein wenig rauscht, kommt mit den Füssen zurück auf den Boden, verglichen mit Kleinbildfilm bei gleicher Empfindlichkeit rauscht da nichts. Ansonsten gibt es auch heute noch Optiken die lichtstärker als 5,6-Kitobjektive sind. Diese erlauben ein Fotografieren bei geringeren ISO-Werten.

Doch welche Anzahl Megapixel soll es den nun bei DSLR-Kameras sein?
Anhand von Abzügen im Format 30x45cm² ab Daten mit 6 Megapixel bin ich zum Schluss gekommen, das diese an sich reichen. Ich hatte nie das Gefühl, dass da etwas fehlen würde. Es ist natürlich nicht so, dass man nicht weitergehen soll wenn die Industrie dies anbietet - aber es gibt keine unbedingte Notwendigkeit mehr dafür. Der Fotograf darf fortan anderen Aspekten Priorität einräumen und kann die Frage, ob die angebotenen Megapixel reichen, getrost mit genug beantworten.

Nebenstehendes Bild zeigt die Flächenverhältnisse von Bildern mit 6, 8 und 10 Megapixel.

Die Unterschiede von 6 zu 8 oder 8 zu 10 Megapixel sind jeweils nicht weltbewegend, es braucht schon einen rechten Zuwachs an Auflösung um bei gleicher Pixeldichte zu bedeutend grösseren Abzügen zu kommen.

Ein gern gehörtes Argument ist dasjenige der Ausschnittvergrösserung. Wenn genügend Pixel vorhanden sind lassen sich Ausschnittvergrösserungen machen. Das stimmt soweit auch - vorausgesetzt, die effektive Bildauflösung wird durch den Bildsensor begrenzt und nicht durch das Auflösungsvermögen des Objektivs. Das war sinngemäss schon zu analogen Zeiten so. Der Film konnte noch so feinkörnig sein, wenn das Bild nicht knackscharf war wurde aus den Ausschnittvergrösserungen nichts.

Filmformat

Nebst dem Sucher ist das verwendetet Filmformat wohl die herausragende Eigenschaft einer analogen Kamera. Dabei ist es sinnvoll, nicht nur die Kamera zu betrachten. Auch Diaprojektoren, Vergrösserer und Scanner haben Anteil am Entstehungsprozess eines Bildes und müssen fähig sein, das jeweilige Format zu verarbeiten.

Die meisten analogen Kameras verwenden 135-Kleinbildfilm, das Bildformat auf dem Film misst 36x24mm. Für dieses Format gibt es auch heute noch eine überragende Filmauswahl.

  • Farbnegativfilme mit Empfindlichkeiten von ISO50 bis ISO1600
  • Spezialisierte Farbnegativfilme für Porträtaufnahmen
  • Diafilme von ISO100 bis ISO1600
  • Diafilme für Tageslicht und solche für Kunstlicht
  • SW-Diafilme
  • Echte SW-Negativfilme mit Empfindlichkeiten von ISO25 bis ISO3200
  • Chromogene SW-Filme. Farbnegativfilme ohne Farbe, also schwarz/weiss. Diese Filme benötigen das gleiche Entwicklungsverfahren wie normale Farbnegativfilme. Das ist sehr praktisch.

Zu diesem Filmformat existiert auch eine sehr grosse Auswahl an unterschiedlichsten  Fotogerätschaften, Diaprojektoren, hochwertige Filmscanner, Vergrösserer für die eigene Dunkelkammer, all dies zu mehr oder weniger vernünftigen Preisen.

Nebst Kleinbildfilm gibt es auch andere Filmformate.

Zuerst die Kleineren: Kleinere Filmformate sind z.B. das Minoxformat - 8x11mm, kleiner als ein Fingernagel - oder das von der Fotoindustrie lange hochgehaltene APS-Format (24x16mm). All diese Kleinstformate stellen den Versuch dar, Wasser zu verdünnen. Aus fotografischer Sicht haben sie nur eine einzige Berechtigung: Um aus diesen Mikronegativen ein einigermassen akzeptables Bild herauszuholen mussten die gängigen Filmtypen verbessert werden. Dies kam wiederum den Kleinbildfilmen zugute und hat die mit diesem Format erzielbare Bildqualität stark angehoben. Man darf dem APS-System also dankbar sein, damit auch noch zu fotografieren wäre allerdings übertriebene Dankbarkeit.

Gerade umgekehrt sieht die Sache für Mittelformat (4,5x6cm bis 6x9cm) aus. Das Format bietet die Möglichkeit zu sehr hoher und höchster Bildqualität, allerdings immer verbunden mit eher grossen, schweren und tendenziell (ehemals) teuren Gerätschaften. Im allgemeinen geht mit dem wachsenden Filmformat eine Abnahme des Automatisierungsgrades einher. Autofokus gibt es zwar auch im Mittelformat, allerdings erinnert dieser nicht an eine Nikon F5. Das gleiche gilt für die Belichtungsmessung, der Normalfall ist die Verwendung eines Handbelichtungsmessers - die bequeme Welt der Motivprogramme ist hier nicht zuhause.

Vergrösserer für Mittelformat? Kein Problem, auch nicht sonderlich teurer. Filmscanner, Kein Problem - nicht mehr ganz billig. Diaprojektoren? Gibt's auch, Projektoren von Götschmann sind die Geräte der Wahl. Nebst Erscheinung, Gewicht und Optik ist auch der Preis höchst professionell. Mittelformat bietet sich in meinem Augen vor allem für selbstverarbeitende Schwarzweiss-Qualitätsfans an.

Steigern lässt sich das Filmformat im äussersten Extremfall bis zum grossen Grossformat 8"x10" (~20x25cm). Dieses soll hier nicht weiter diskutiert werden (off topic).

Abblendtaste

Dieses Feature wird immer wieder als wesentlich erklärt. Auch ich möchte dies hier nochmals tun.

Zwischen dem Bild, das sie auf der Mattscheibe im Sucher der Spiegelreflexkamera sehen und dem was auf den Film kommt gibt es einen wesentlichen Unterschied. Die Schärfe im Hintergrund und Vordergrund des Motivs verändert sich durch das Abblenden des Objektivs.

Mittels Abblendtaste könne sie kontrollieren, in welchem Masse das Bild sich dadurch verändert. Auch können sich im unscharfen Hintergrund störende Elemente mit böser bildzerstörender Absicht verstecken, welche sie im Sucher nicht wahrnehmen. Durch Abblenden hört dieses Versteckspiel auf und sie können die Übeltäter erfolgreich exorzieren.

Aber auch das Umgekehrte ist denkbar. Elemente im Vordergrund, welche in den Bildbereich hineinragen, möchten sie zumindest so scharf, dass diese erkennbar werden - z.B. als fotografischer Rahmen für das Motiv. Mittels Abblendtaste können sie die Blende derart variieren bis der Schärfeeindruck im Vordergrund ihren Wünschen entspricht.
Was nicht geht ist ein genaues Beurteilen der absoluten Schärfe bei stark geschlossener Blende. Das Bild dunkelt beim Abblenden entsprechend der Abblendung ab und spätestens bei Blende 22 können sie kaum noch was erkennen.

Belichtungsmesssystem

Jede aktuelle Kamera verfügt heutzutage über Mehrfeldmessung, gemäss Werbung ein besonders zeitgenössisches und sicheres Verfahren. Je raffinierter die Mehrfeldmessung funktioniert, desto undurchsichtiger werden die Resultate und desto schwieriger wird es für sie, Ausnahmen zuverlässig im vornherein zu erkennen und eine Belichtungskorrektur richtig anzubringen. Akzeptieren sie keine Kamera, welche nicht nebst Mehrfeldmessung zusätzlich ein durchschaubares Messverfahren aufweist, zumeist wird dies mittenbetonte Messung sein.

Bei Digitalen Kameras haben sie meistens die Möglichkeit, die Belichtung nachträglich mittelsHistogramm zu überprüfen. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Bild bei falscher Belichtung nachträglich dann nochmals wiederholen lässt und Nessie nicht bereits wieder abgetaucht ist. Technik soll dienen. Der Zweck raffinierter Features liegt nicht darin, dass man einfach alles nochmals wiederholen kann wenn die Technik einen ersten Versuch vereitelt hat.

Spiegelvorauslösung

Beim Auslösen einer Spiegelreflexkamera erschüttert der Schwingspiegel die Kamera und trägt dadurch bei Verschlusszeiten im Bereich von typischerweise 1/4- bis 1/30-Sekunde zu nicht optimal scharfen Bildern bei. Bei der Spiegelvorauslösung wird der Spiegel vorgängig hochgeklappt und erst mit Verzögerung, wenn alles ruhig ist, der Verschluss ausgelöst.

Die eine Kamera hat Spiegelvorauslösung, anderen fehlt sie. Sollte man deshalb die eine nehmen und die andere meiden? Wenn sie eine Reisekamera suchen brauchen sie keine Spiegelvorauslösung. Für Sportfotografie können sie keine gebrauchen weil das Geschehen dies nicht zulässt, das gleiche gilt oft auch für Wildlife-Fotografie. So bleibt noch Makrofotografie und Landschaftsfotografie. Dafür wäre Spiegelvorauslösung begrüssenswert, allerdings nur, wenn sie ab stabilem Stativ mit längeren Verschlusszeiten fotografieren. Wenn sie sich an Libellen heranpirschen ist mit Spiegelvorauslösung nichts zu gewinnen.

So gesehen: Die Bedeutung von Spiegelvorauslösung wird wohl überbewertet. Trotzdem finde ich, eine Kamera sollte Spiegelvorauslösung haben, einfach auch deshalb, weil es ein Feature ist, welches dem sorgfältigen Fotografieren dient. Eingesetzt wird sie aber wohl bedeutend weniger als die Häufigkeit diesbezüglicher Fragen in Foren erwarten lässt.

Bei Mittelformatkameras hingegen ist Spiegelarretierung Pflicht (insofern sie eine Schwingspiegel haben) - diese Spiegel sind bedeutend schwerer und richten z.T. massiven Schaden an wenn sie nicht vorgängig stillgelegt werden.

Software

Kompakte Digitalkameras schärfen und färben die Fotos in der Kamera mittels interner Software stark nach. Die Hersteller gehen davon aus, dass der Fotograf fertige Fotos aus der Kamera haben will und seine Bilder kaum am Computer verbessern will.

Bei DSLR-Kameras wird von einem ambitionierten Fotografen ausgegangen, welcher seine Fotos am Computer auswählen und diese dann selbstbestimmt individuell optimieren will. Da jeder Bearbeitungsschritt mit einem geringen Verlust an Bildinformation verbunden ist, schärfen und färben DSLR-Kameras die Bilder in der Kamera selbst nur sehr wenig nach, überschärfte Bilder lassen sich nicht mehr zurückkorrigieren. Daher bedürfen Bilder von digitalen Spiegelreflexkameras der Nacharbeitung, sind sie noch Rohware.

Zu einer DSLR-Kamera benötigen sie also auch ein Bildbearbeitungsprogramm. Ich unterscheide diesbezüglich zwischen ungeeigneten, geeigneten und unnötigen Programmen.

  • Zuerst zur ungeeigneten Software: Es gibt viele Programme um Bildern kleine Korrekturen anzutun. Oft hat es Schieber für Helligkeit und Kontrast, die Bilder lassen sich in 90° Schritten drehen, sie können verkleinert werden und lassen sich rudimentär nachzuschärfen. Aber vor allem können sie viele lustige Effekte darauf anwenden. Ein solches Programm ist z.B. der Microsoft Photoeditor. Wenn sie sich für die Bildbearbeitung zu solchen Programmen hingezogen fühlen, dann sind sie ein Kandidat für eine Kompaktkamera und sollten die Finger von DSLR-Kameras weglassen.
     
  • Geeignete Software: Eine kleine Übersicht geeigneter Software finden sieim fc-Infobereich. Geeignete Software liegt in Form von Adobe Photoshop Elements manchmal sogar der Kamera bei.
     
  • Und dann gibt es unnötige Software: Mittels geeigneter Software lässt sich praktisch alles machen was sinnvoll und notwendig ist, aber oftmals erscheint diese Software deshalb auch komplex. Hier setzt unnötige Software an. Es gibt viele kleine Gadgetprogramme, mit welchen sich ein Bild angeblich speziell gut schärfen, verkleinern oder mit einem Rahmen versehen lassen soll. Bildbearbeitung findet dann mit jeder Menge dieser Kleinprogramme statt, im Grunde bleibt dadurch aber ihr Verständnis für Bildbearbeitung aus. Lassen sie dies sein - kaufen sie zu ihrer Software ein gutes Buch, welches ihnen das Programm erklärt und arbeiten sie fortan mit diesem.